Die Stars der Ausstellung waren Puppen, erfunden für Puppentrickfilme und in aufwändiger Stop-Motion-Technik für sie zum Leben erweckt. Auf Monitoren waren sie in Aktion zu erleben und widerspiegelten die Geschichte des Genres und die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer.
Die Ausstellung entstand im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main, ebenso der Katalog, der als Gebrauchsanweisung mit Hintergrundinformation konzipiert worden war und zu eigener Arbeit mit dem Medium Puppentrick anregen sollte. Speziell für die Ausstellung hat die scopas medien AG, Frankfurt am Main, eine DVD mit dem Know-how für all jene Kinder entwickelt, die nach dem Ausstellungsbesuch zu Hause selbst einen Puppentrickfilm drehen wollten.
Kuratorin: Daniela Dietrich (Deutsches Filmmuseum Frankfurt/Main)
Plakat: h neun (Berlin)
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Blick in die Ausstellung
Mehr zur Ausstellung
Die Ausstellung gliederte sich in drei Kapitel: die Geschichte des Puppentrickfilms, das Handwerk der Puppentrickfilmer und die Trickwerkstatt.
Das erste Kapitel schickte den Besucher auf einer Zeitreise durch die Geschichte dreidimensionaler Puppenanimation. Neben populären internationalen Produktionen stand besonders der deutsche Stop-Motion-Film seit den 1920er Jahren im Mittelpunkt. Puppen des gebürtigen Ungarn George Pal, des Tschechen Jirí Trnka oder des Amerikaners Ray Harryhausen gaben sich mit Figuren aus dem DEFA-Trickfilmstudio, der Brüder Diehl oder der englischen Firma Aardman Animation ein Stelldichein.
Der zweite Ausstellungsbereich widmete sich der Stop-Motion-Technik als einer der ältesten und beliebtesten Formen der Animation. Am Beispiel von Arbeiten des Frankfurter Trickfilmstudios Clayart der scopas medien AG erlebte der Besucher die Entstehung eines Stop-Motion-Films mit – vom Zeichnen eines Storyboards über den Bau der Figuren und Kulissen bis hin zur Aufnahme in aufwändiger Stop-Motion-Technik, bei der die Kamera Bild für Bild kleinste Veränderungen in den Bewegungsabläufen der dreidimensionalen Trickfiguren aufnimmt, 24 Bilder für eine einzige Sekunde Film.
Der letzte Teil der Ausstellung lud den Besucher ein, selbst kreativ zu sein: In einer Trickwerkstatt konnte er eigene Knetfiguren entwerfen und Einzelbilder von ihnen aufnehmen, die über einen Rechner ausgedruckt wurden. Zusammengefügt zu einem „Daumenkino” – und schon war das Puppentrick-Debüt fertig.
Die Besucher waren begeistert – vor allem über die Möglichkeit, in der Trickwerkstatt selbst kreativ sein zu dürfen.
Im Gästebuch liest sich das so:
„Eine super Ausstellung. Anschließend haben wir mit Dino und Mizi einen lustigen Film gedreht. Wir hatten viel Spaß! Danke für diese kreative Beschäftigung, die uns aus dem regnerischen Tag holte!” – „Umwerfend! Im Ernst: Filmemachen macht Spaß!” – „Es war echt große Klasse und ich finde es super, wie ihr Bildung und Kreativität fördert.”
Das Kino des Filmmuseums begleitete die Ausstellung mit einer Reihe von Puppentrickfilmen. Die Schau wurde von der DEFA-Stiftung unterstützt.
Die Stars
Die Stars empfingen die Besucher bereits am Eingang:
Frau Holle und Goldmarie, Moritz und Witwe Bolte, Stadtmaus und Feldmaus und nicht zuletzt – der Sandmann.
Der erste Teil der Ausstellung präsentierte Geschöpfe bedeutender deutscher und internationaler Puppentrick-Künstler, entstanden zwischen 1934 und 2004.
Das Spektrum reichte von den naturalistischen, mit akribischer Sorgfalt geschaffenen Figuren der Brüder Diehl aus Bayern für den Film „Die sieben Raben” (1937) bis zur stark stilisierten Schrauben-Armee des Wahl-Amerikaners George Pal in „Tulips Shall Grow” (1942).
Figuren aus Filmen des Tschechen Jirí Trnka gaben sich mit Puppen aus dem DEFA-Trickfilmstudio ein Stelldichein („Heinrich der Verhinderte”, 1966, RE: Kurt Weiler).
Die Medusa Ray Harryhausens für „Kampf der Titanen” (1980) erinnerte daran, welch bedeutende Rolle der Stop-Motion-Technik auch in Spielfilmen zukam – bis das digitale Zeitalter begann.
1993 traten Tim Burtons traditionell gefertigte Figuren aus „Nightmare Before Christmas” erfolgreich gegen moderne computeranimierte Helden an und eroberten die Kinoleinwand zurück.
Nicht weniger berühmt sind die Knetfiguren von Nick Park, dem „Vater” von Wallace und Gromit. In der Ausstellung waren seine Skip Dogs zu sehen, Helden einer beliebten englischen TV-Serie.
Puppen aus den preisgekrönten jüngeren deutschen Filmen „Père Ubu” (1997) und „Mère Ubu” (1999) von Heinrich Sabl sowie aus „Der Perückenmacher" (1999) von Annette und Steffen Schäffler sind Zeugnisse einer eigenständigen und sehr lebendigen Puppentrick-Tradition auch hierzulande. Beliebte Figuren für das Kinderfernsehen wie der kleine blaue Drache Dragon, für Musikvideos und Werbeclips führen bis in die Gegenwart.
Auf einem Monitor waren sämtliche Puppen des historischen Ausstellungsteils in Aktion zu erleben.
Was „Stop Motion” bedeutet
Der englische Ausdruck beschreibt die geduldige Arbeit der Puppentrickfilmer kurz und bündig: Bild für Bild fotografiert die Kamera kleinste Veränderungen in den Bewegungsabläufen von dreidimensionalen Trickfiguren. Eine winzige Bewegung, stopp, Aufnahme, dann wieder eine klitzekleine Geste, stopp, Aufnahme, und so fort – 24 Bilder für eine einzige Sekunde Film. Erst im fertigen Puppentrickfilm beginnt alles zu leben.
Ein Beispiel:
Das rätselhafte Pelztier Cheburachka (© Soyusmultfilm) ist eine beliebte Figur des russischen Kinderfilms. Es war nicht nur Star vieler Puppentrickfilme, sondern auch Maskottchen der russischen Olympioniken bei den Sommerspielen 2004.
Die folgenden 24 Bilder ergeben 1 Sekunde Film. Wer genau hinschaut, erkennt von Bild zu Bild winzige Veränderungen. Bei ihrer Wiedergabe durch den Filmprojektor entsteht eine Bewegung: Cheburachka hüpft und lacht.

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

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Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

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Bildunterschrift: Cheburachka

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Bildunterschrift: Cheburachka

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Bildunterschrift: Cheburachka

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Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka

Bildunterschrift: Cheburachka
Wie ein Stop-Motion-Film entsteht
Was vor den Aufnahmen geschieht, wurde im zweiten Teil der Ausstellung am Beispiel eines konkreten Films anschaulich dargestellt, der 2003/04 in der Frankfurter Firma clayart entstand: „Frau Holle”.
Wie das bekannte Märchen als Puppentrickfilm neu erzählt wird, wie die Ideen zunächst in Skizzen und später in Storyboards konkrete Gestalt annehmen, sich Aussehen und Charakter der Figuren unter den Händen der Puppenkünstler langsam entwickeln, wie ihre Kostüme nach historischen Vorbildern gefertigt und die Kulissen akribisch gebaut werden, wie Synchronsprecher den Figuren ihre Stimmen leihen und Geräusche im Tonstudio aufgenommen werden – all die vielen aufwändigen Arbeitsschritte werden durch die Zeugnisse aus der Produktionsgeschichte des Frau-Holle-Films konkret und lebendig. Skizzenbuch, Storyboards, Recherchefotos, Stoffproben, Entwurfszeichnungen und Figurenskelette waren ebenso zu sehen wie fertige Figuren, Kulissenteile und sogar ein fertiges Set: das Haus der Frau Holle, davor sie selbst mit Marie an einem gedeckten Tisch.
Die Puppentrickwerkstatt mit Stop Motion Filmen
An den Ausstellungsrundgang schloss sich eine Werkstatt an, in der jeder selbst kleine Animationsversuche unternehmen kann. Zunächst musste eine Knetfigur entworfen werden, standfest und aktionsfähig – keine leichte Sache! Unsere Besucher waren ziemlich talentiert, wie an den folgenden Kreaturen zu erkennen ist - und auch das nebenstehende „Intro” wurde von Tom B und Roman L. beim Besuch der Ausstellung animiert (und kann natürlich auch herunter geladen und als Video angeschaut werden).
Anschließend nahm eine Kamera die Bewegung des frisch gebackenen Helden im Stop-Motion-Verfahren auf, also Bild für Bild, 24-mal für eine Filmsekunde. Die Einzelbilder wurden ausgedruckt und konnten ausgeschnitten und zu einem Daumenkino zusammengeheftet mit nach Hause genommen werden – als Erinnerung an das eigene Puppentrick-Debüt ...
- Balls Balls Balls
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PRESSE
Wo der Pfeffervogel wohnt
Gespräch zum 85. Geburtstag des Trickfilmers Kurt Weiler
Märkische Allgemeine Zeitung, Hanne Landbeck 14.9.2006
Besessen müssen sie wohl alle sein, die Trickfilmer, aber Kurt Weiler nahm es mit seiner Arbeit wahrscheinlich noch genauer als andere. Das machte am Dienstagabend das Gespräch im Filmmuseum anlässlich seines 85. Geburtstages des Filmemachers deutlich. Sein Schüler Tony Loeser, dessen wunderbarer Film „Der Bau des P.“ ebenso gezeigt wurde wie der Film „Die Suche nach dem Vogel Turlipan“ seines Lehrers, wunderte sich darüber, wie man so gewissenhaft arbeiten kann. „Für mich ist der Film abgehakt, wenn er geschnitten ist”, sagte Loeser, aber Weiler, der immer noch irgendwie verspielt und blitzwach wirkt, gab lachend zu, dass er fast jeden seiner Filme jetzt umarbeiten würde. (...)
Kurt Weiler erzählte, wie er in England nach dem Internierungslager die Kunst des nicht naturalistischen Trickfilms lernte und diese dann mit nach Potsdam brachte. (...) Turlipan wurde freigegeben, dann entdeckte man aber, dass er „dekadent“ sei, nach zehn Tagen war er verboten. Heute kann man ihn sehen und sich daran erfreuen.
Stars aus Draht und Knetgummi
Ausstellung zur Welt des Puppentrickfilms im Filmmuseum eröffnet
Märkische Allgemeine Zeitung, Sonja Haase, 30.5.2006
Das Sandmännchen ist der Klassiker: Deutschlands berühmteste Puppe mit täglicher animierter Filmepisode im Fernsehen. Wer wissen möchte, in welch kleinteiliger Geduldsarbeit die Filme entstehen und dazu mehr über Mecki, Wallace und Gromit und ihre Knet – Kollegen erfahren will, der hat dazu noch bis zum 15. Oktober im Filmmuseum Gelegenheit. Die Puppen, ihre Macher und die hinter Puppentrickfilmen steckende Technik werden in der Ausstellung „Stop Motion" vorgestellt. (...)
In einem dritten Teil, der Trickwerkstatt, können die Besucher die Technik selbst ausprobieren. Sie animieren Knetfiguren, die Bilder werden dann ausgedruckt und können zu einem Daumenkino zusammengeheftet werden. „Es ist immer wieder faszinierend wie schnell die Kinder ein Gefühl für die Phasen bekommen", sagte Regisseur Roland Helia, der gestern Computer und Kamera bediente. Es sind aber ausdrücklich auch Erwachsene eingeladen, sich selbst als Filmemacher zu versuchen.





















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