Diashow des Schreckens
Märkische Allgemeine Zeitung, weg, 13.11.2006
Blut wurde am Freitagabend keines verkonsumiert im Filmmuseum. Nur Rotwein. Und einige Besucher hatten ordentlich Knoblauch vorgelegt, um die Lange Filmnacht der Vampire im Rahmen der 17. Berliner Märchentage unbeschadet zu überstehen. (...) Die „Filmphysiognomie Draculas“ beleuchtete Norbert Borrmann auf geradezu akademische Weise. (...) Nur kurze Zeit später nämlich startete Mark Benecke, Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie, seine Diashow des Schreckens. Der aus TV und Radio bekannte Benecke, Mitglied der rumänischen „Transylvanian Society of Dracula“, räumte mit seiner vitalen Art richtig auf mit Schauermärchen. Zu Leichen-Dias erklärte er, dass die fetten Leiber exhumierter Vampir-Menschen nicht aufs Blutsaugen, sondern auf die Aufgasung der Toten zurückzuführen sind. (...)
Danke Frank Beyer
Erinnerung an einen begnadeten DEFA-Regisseur im Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, Lothar Krone, 3.11.2006
Ein großes Foto Frank Beyers zierte am Mittwochabend die Leinwand im Filmmuseum, als Kollegen aus DEFA-Zeiten, Freunde und Bewunderer des begnadeten Regisseurs in den Saal drängten. Die Chefin ließ es sich nicht nehmen, die schier endlose Liste von Spitzenfilmen vorzutragen, mit denen der Künstler begeisterte, seit er 1957 an der DEFA sein Talent etablierte. Bärbel Dalichows Titelparade war schon als bloße Namensnennung eindrucksvoll. Meisterwerke wie „Nackt unter Wölfen”, „Karbid und Sauerampfer” und natürlich „Spur der Steine” hatten in der Zeit des Kalten Krieges nie die Chance, ein Weltpublikum zu gewinnen. (...)
Der Clou
Vortrag über den Architekten Oscar Niemeyer im Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, Lothar Krone, 22.9.2006
Am Mittwochabend fanden sich die Befürworter und Gegner eines neuen, vom brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer entworfenen Schwimmbads auf dem Brauhausberg in annähernd gleicher Truppenstärke im Filmmuseum ein. Es trieb sie wohl die Neugier, was nicht das schlechteste Motiv ist. Den Part des Aufklärers aber hatte Claus Baldus von der Fachhochschule Potsdam übernommen, der seine Ausführungen als öffentliche Vorlesung verstanden wissen wollte. (...)
Dem Beifall der Zuhörer folgten die Filme „Vacancy”, „Brasilia-Pilotplan der Moderne” und Oscar Niemeyer „Life is a Whiff”. Den allseits bekannten, sichtlich gealterten Bildern vom Aufbau der Moderne war die manchmal bedrückende Leblosigkeit dieser Architektur anzumerken. Interessanter als die zahlreichen Verwaltungsbauten der aus dem Boden gestampften brasilianischen Hauptstadt waren die neuren Arbeiten des mittlerweile fast 99-Jährigen. (...)
Der Sitz der Seele
Das Festival „abgedreht” im Filmmuseum
Potsdamer Neueste Nachrichten, Lore Bardens, 18.9.2006
Dass Inka Jannssens Seele in ihrem Saxophon sitzt, konnten Besucher des Festivals „abgedreht”, das am Freitag im Filmmuseum eröffnet wurde, erleben, als die sehr lebendig wirkende Frau die Eröffnung bespielte. Gerade vorher war die heute 43-jährige in dem Film „Klar zur Wende” (2001) zu sehen. Sie berichtet über ihre Krankheitsgeschichte und ihren Kampf gegen die und ihr Leben mit der Diagnose „Multiple Sklerose”. (...)
Im Zentrum des Abends stand die Frage nach einem lebenswerten und zukunftsgerichteten Verhalten, nicht nur der Betroffenen, sondern auch des Umfeldes von Kranken. Und es stand vor allem ein Rätsel im Mittelpunkt, das man herkömmlicherweise Seele nannte und das seit Einführung der Psychopharmaka hauptsächlich „Psyche” heißt. (...) Ob die Seele nun im Herzen oder in der Leber wohnt, ihre Gesundheit geht uns alle an. Und ihre Krankheiten ebenfalls. Manche direkt, manche Glücklichen ferner.
Die DEFA ist tot, es lebe die DEFA
Rolf Hoppe und andere Stars bei einer DVD-Präsentation im Filmmuseum Potsdam
Märkische Allgemeine Zeitung, Hanne Landbeck, 22.6.2006
Dass die DEFA, war am Dienstagabend schon vor dem Filmmuseum sichtbar, als ich viele Veteranen und Fans um den großen Rolf Hoppe, die charmante Christel Bodenstein und das Berliner Original Ernst George Schwill scharten. So füllte sich der Kinosaal trotz Weltmeisterschaft und beinahe längsten Tag, und in der Geborgenheit des dunklen Raumes wurden die Erinnerungen an die Glanzzeit der DEFA in Sichtweite der Idole aufgefrischt. Auszubildende des dritten Lehrjahres für Mediengestalter bei der Icestorm-Entertainment GmbH in Berlin zeigten vier neue Filme aus der Reihe über Medienberufe, die auch eine Hommage an die DEFA sind. [...]
Geld für Filmmuseum Potsdam
Märkische Allgemeine Zeitung, 9.5.2006
Für zwei neue Projekte erhält das Filmmuseum Potsdam vom brandenburgischen Kulturministerium knapp 10 000 Euro. Das Geld sei für die Werkschauen „60 Jahre DEFA” und „Roman Polanski” bestimmt, teilte das Kulturministerium mit. „Das Filmmuseum Potsdam prägt mit seinen Filmen, Ausstellungen und Veranstaltungen das kulturelle Leben weit über Potsdam hinaus”, würdigte Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) das Engagement des Hauses.
Potsdam Exklusiv (Nadia Uhl)
Potsdamer Neueste Nachrichten, Sabine Schicketanz, 9.5.2006
Es heißt, werdende Mütter besitzen eine innere Schönheit, die sie erstrahlen lässt.
„Sommer vorm Balkon”-Schauspielerin Nadia Uhl bestätigt diese Annahme derzeit in vollem Maße. Unprätentiös wie immer und mit diesem besonderen Glanz in den Augen, erzählt die im vierten Monat schwangere Uhl am Sonntagabend im Filmmuseum: „Wenn alles gut geht – toi, toi, toi – dann kommt das Kind im Oktober.” (...)
Für Nadia Uhl wird es bereits am kommenden Freitag ernst. Und skurril, wenn im Berliner Palais unterm Funkturm die Deutschen Filmpreise verleihen werden. Die noch 33-Jährige – am 23. Mai feiert Uhl Geburtstag – ist mit dem Andreas-Dresen-Erfolgsfilm „Sommer vorm Balkon” als Beste Hauptdarstellerin nominiert. Und ihre „Mitspielerin” Inka Friedrich ebenso. (...)
Lola Festival im Filmmuseum
Die zehn besten deutschen Filme 2006 im Gespräch: Auftakt heute mit „Komm näher” und Stefan Arndt
Potsdamer Neueste Nachrichten, 4.5.2006
Deutsche Filme zu sehen ist wieder aufregend: Neue Handschriften, die Lust am Experimentieren, tolle Schauspieler, der genaue Blick auf die Wirklichkeit haben die am Klamauk vorbeischrammende Komödienwelle abgelöst. Der Deutsche Filmpreis gehört zu den höchstdotierten deutschen Kulturpreisen. Von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie ausgewählt, gehen die zehn in die Kategorien „Bester Film”, „Bester Kinder- und Jugendfilm” und „Bester Dokumentarfilm” nominierten Filme nun auf Deutschlandtour. Unter der Überschrift „Lola Festival 2006” begleiten Mitglieder der Filmakademie, Regisseure und Schauspieler die Vorstellungen, um gemeinsam mit dem Publikum über die Filme ins Gespräch zu kommen. Zur heutigen Eröffnung um 18 Uhr im Filmmuseum hat sich Stefan Arndt, Vorstandvorsitzender der Deutschen Filmakademie, angesagt. Gezeigt wird Vanessa Jopps Film „Komm näher”. Mit feinem Gespür für Nuancen und Situationen hat die Regisseurin sieben Schicksale zu einem tragikomischen, wundersam wirklichen Großstadtreigen über die Liebe in den Zeiten der Einsamkeit verwoben.
Auf Wiedersehen Kurt Maetzig
Potsdamer Neueste Nachrichten, Matthias Hasenpflug, 30.1.2006
Kurt Maetzig, DDR-Filmschaffender der ersten Stunde und Gründungsrektor der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen, feierte am Freitagabend im Kreis von vielen Freunden, Bewunderern und Weggefährten seinen 95. Geburtstag. Die DEFA-Stiftung und das Filmmuseum luden deshalb zu einem Festakt in den Marstall. Der letzte Chefdramaturg der DEFA, Professor Rudolf Jürschik, würdigte das Leben und Werk des Jubilars. (...)
Bevor die Festveranstaltung mit dem von ihm ausgesuchten Film „Die Buntkarierten” ausklang, verabschiedete sich der 95-jährige Maetzig auf unnachahmliche Art: „Und nun bin ich ein bisschen in der Bredouille, ich habe ehrlich gesagt Schwierigkeiten, ein richtiges Wort zum Abschied zu finden. Ach was, ich sage einfach auf Wiedersehen.”
Handicap als Markenzeichen
Podiumsgespräch mit dem Schauspieler Jürgen Vogel im vollen Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, Hanne Landbeck, 28./29.1.2006
Hunderte junger glänzender Augen, meist aus Frauengesichtern, strahlten ihn an: Jürgen Vogel hüpfte am Donnerstagabend im Filmmuseum behände in weißem T-Shirt zur Blue Jeans auf das Podium. (...) Gerne kokettiert der Unkonventionelle mit seiner „Authentizität”, er will nichts Aufgesetztes mitmachen oder gar spielen. Zum Teil mag das wohl auch an der durchaus bemerkenswerten „Zahnstellung”, wie Dorett Molitor es formulierte, liegen. Diese nämlich offenbart immer seine Verletzlichkeit, erhöht seine Glaubwürdigkeit, und erklärt wohl auch die Auswahl an Rollen der inzwischen mehr als 40 Filme des 1968 Geborenen.
Gern spielt Vogel Außenseiter, Randfiguren, Gauner, Kleinkriminelle, alle immer mit einer Menschlichkeit des Unperfekten, die ihresgleichen sucht. (...)
Der Star dominierte in voller Auskostung der Scheinwerferlichter locker unterhaltsam den gesamten Saal.

Bildunterschrift: Kurt Maetzig zu Gast im Filmmuseum (2006); Foto: J.K. Leopold



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