Greed Gier
USA 1924, R: Erich von Stroheim
D: Gibson Gowland, Zasu Pitts, Jean Hersholt; engl. ZT, 243’, rekonst. Version mit Musik
1924 kürzte MGM die fast sechsstündige Verfilmung des naturalistischen Romans von Frank Norris ohne Stroheims Zustimmung auf 2 Stunden. Schmidlins Fassung erzählt mit zusätzlich eingefügten Standfotos die Geschichte mit all ihren Nebenhandlungen und Episoden. Sie vermittelt einen Eindruck von der Kraft, Unbarmherzigkeit und Präzision dieses Stroheimschen Meisterwerks über das Thema Geldgier.
Film-Kritik zu „Greed” von Willy Haas im Film-Kurier, 15.05.1926
„Ein furchtbarer Film; ja, der furchtbarste, der entsetzlichste Film, der je gemacht wurde. Eine Hassorgie; eine Symphonie des Ekels, ein kaltes, heißeres Teufelsgelächter. Dreitausend Meter Magenindigestionen über die menschliche Gemeinheit. Dieser Erich von Stroheim ist ja ein kranker Mensch. Kein Karikaturist wie George Grosz – dem er in diesem Film oft sehr ähnelt. Und kein dumpfer seelischer Ringer wie Strindberg. Von beiden hat er anscheinend den Hassfanatismus. In Wirklichkeit hat er auch diesen nicht. Er hat diese flackernde Interessantheit des Hysterikers – die durch kein geistiges Material gedeckt ist. Ich hatte den sehr starken Einsruck: er ist einfach dumm. Ein großer Hasser; ein erschreckender, dämonischer Kerl, aber auch ein schlichter dummer Mensch. (...) Auch er hat diese wilden und oft wie genialen Bildvisionen. Manche Szenen zwischen Mann und Frau am Ehebett sind unerhört großartig, noch nie dagewesen; und gigantisch, wahrhaft gigantisch sind die Szenerien in der Schlussszene in der Salzwüste. (...) Wenn Träume, schlichte, körpergeborene, aus Körpers Urgründen ausbrechende Szenerien genial sein könnten, so wäre dieser Film genialer als Michelangelo; aber sie können überhaupt nicht genial sein, weil ihnen jeder leiseste Schein des Lebens fehlt, weil sie nirgendwo tief, tiefgreifend, zusammenfallend, deutend, unbedeutend sind – so wenig wie eine platzende schillernde Seifenblase.”
Hello, Sister! Walking Down Broadway
USA 1933, R: Alfred L. Werker, Erich von Stroheim, Alan Crosland
D: James Dunn, Boots Mallory, Zasu Pitts; OF, 61’
Ein letztes Mal führte Erich von Stroheim 1932 Regie bei „Walking Down Broadway“. Die Fox-Film befand den Film um zwei Freundinnen im Großstadtdschungel New Yorks als zu ungefällig und moralisch bedenklich. Mehrere Regisseure wurden verpflichtet, Teile des Films neu zu drehen. Von Stroheims Szenen fanden nur wenige Eingang in die endgültige Fassung, die 1933 unter dem Titel „Hello Sister!“ (11.2.) verliehen wurde und mit seiner Konzeption kaum noch etwas zu tun hatte.
Blind Husbands Die Rache der Berge
USA 1919, R: Erich von Stroheim
D: Erich von Stroheim, Gibson Gowland; dt. ZT, rest. Fassung, 99’
Nach einigen Jahren im Filmgeschäft, in denen Stroheim als Schauspieler, Stuntman und Assistent arbeitete, erhielt er 1919 zum ersten Mal Gelegenheit, Regie zu führen. „Blind Husbands”, eine Geschichte über amerikanische Touristen in den österreichischen Alpen und ihre erotischen Verwicklungen, wurde ein großer Kassenerfolg. Jahre später wurde der Film in gekürzter Fassung wieder in die Kinos gebracht. Diese Kurzfassung galt bislang als die einzig überlieferte Version, bis in Österreich eine Kopie des Filmes auftauchte, die auf das Jahr 1921 zurückgeht und somit das älteste erhaltene und vollständigste Material ist. Michael Loebenstein vom Österreichischen Filmmuseum Wien berichtet am 14.2. von seiner Arbeit an „Blind Husbands”, der von Günter A. Buchwald musikalisch begleitet wird.
Foolish Wives Närrische Weiber
USA 1920/21, R: Erich von Stroheim
D: Erich von Stroheim, Madge George, Mae Busch; engl. ZT, 120’
„Foolish Wives” (1920/21) war Hollywoods erster Millionen-Dollar-Film, die Darsteller verspeisten vor der Kamera echten Kaviar und für eine Handvoll Einstellungen ließ Stroheim die gesamte Promenade von Monte Carlo in Kalifornien nachbauen. Universal erwog immer wieder, die Dreharbeiten zu stoppen. Da aber Stroheim nicht nur Regie führte, sondern auch die Hauptrolle spielte, war er nicht zu ersetzen. Der fertige Film war ein Riesenerfolg und ein Tabubruch mit amerikanischer Moralheuchelei. Ebenso zynisch wie drastisch illustriert Stroheim, dass Sex mit Liebe nichts zu tun haben muss. Er spielt einen Hochstapler, der die Frauen dutzendweise verführt. Nachdem er sich an einem schwachsinnigen Mädchen vergangen hat, wird er von deren Vater umgebracht. Am Ende des grandiosen Films wird seine Leiche in einem Gully entsorgt – Die Welt als Kloake! Freuen Sie sich auf weitere Stroheim-Filme bis Mai 2007!
Die große Illusion
F 1937, R: Jean Renoir
D: Jean Gabin, Erich von Stroheim, Pierre Fresnay; 114’
Unter Jean Renoirs Regie spielte Erich von Stroheim erstmalig in einem europäischen Film. Er verkörpert in diesem pazifistischen Klassiker einen deutschen Offizier. In Erinnerung an die Dreharbeiten sagte er: „Alle Arbeit, die ich mit Renoir geleistet habe, war ein Abbild unserer ersten Begegnung: herzlich.“
The Merry Widow Die lustige Witwe
USA 1925, R: Erich von Stroheim
D: Mae Murray, John Gilbert; engl. ZT, 128’
Aus der klassischen Operrette “Die lustige Witwe” wird in der Verfilmung ein echter ‚Stroheim’. Im Gegensatz zur Vorlage erzählt er z.B., wie die Heldin zur Witwe wird: Sally heiratet einen senilen Baron. Als der sich in der Hochzeitsnacht statt an seiner jungen Frau lieber an deren Schuhen delektiert, erliegt er vor Entzücken einem Herzinfarkt...
Queen Kelly
USA 1928/29, R: Erich von Stroheim
D: Gloria Swanson, Seena Owen; engl. ZT, Musikversion von 1985, 101’
1928 übertrug die Stummfilmdiva Gloria Swanson Erich von Stroheim die Regie für einen Film, den sie selbst produzierte und in dem sie die Hauptrolle übernahm: „Queen Kelly“. Die Geschichte stammte von Stroheim: Prinz Wolfram verliebt sich heftig in die Klosterschülerin Kelly. Er entführt sie auf das Schloss, wo sie mit Wolframs Braut, der Königin, zusammentrifft. Die peitscht Kelly brutal aus dem Palast. Dem Telegramm einer Tante folgend, bricht Kelly nach Deutsch-Ostafrika auf. Hier wird sie mit einem lüsternen Krüppel verheiratet und erbt von der Tante ein Bordell. Wolfram, von der Königin in Festungshaft genommen, meldet sich freiwillig zu den Truppen in die Kolonie, um Kelly zu finden ...
Wäre „Queen Kelly“ wie geplant fertiggestellt worden, hätte der Film eine Länge von über fünf Stunden gehabt. Doch der Produzentin missfiel zunehmend, dass ihr Regisseur Geld zu verschwenden schien, und vor allem, wofür – die bereits fertigen Bordellszenen würden niemals durch die Zensur kommen und waren nach Meinung Swansons für den Papierkorb produziert. Kurzerhand stoppte sie den Film und widmete sich anderen Aufgaben. Von dreißig geplanten Filmrollen waren lediglich zehn gedreht worden, doch diese rund einhundert Filmminuten sind eine filmhistorische Kostbarkeit. Wir präsentieren die restaurierte Filmversion von 1985. Mit Standfotos, Zwischentiteln und sämtlichem verfügbaren Filmmaterial ist sie die vollständigste Version, die jemals zusammengestellt wurde, und folgt dem originalen Manuskript Erich von Stroheims.
Sunset Boulevard Boulevard der Dämmerung
USA 1950, R: Billy Wilder
D: Gloria Swanson, Erich von Stroheim, William Holden; 109
In einer Villa in Hollywood lebt, vergessen und der Vergangenheit nachhängend, die einstige Stummfilmdiva Norma Desmond. Sie wird von dem treuen Diener Max von Mayerling umsorgt, ihrem ehemaligen Entdecker, Regisseur und Ehemann. Er schreibt ihr fiktive Fanbriefe und führt ihr die Filme vor, für die sie beide einst berühmt waren. Einer dieser Filme ist – „Queen Kelly“; Gloria Swanson verkörpert die Rolle der gealterten Diva, ihren ergebenen Diener spielt Erich von Stroheim. Der Regisseur Billy Wilder hatte 1949/50 die einstigen Partner und Kontrahenten Swanson und Stroheim für seinen bitterbösen Abgesang auf die Traumfabrik Hollywood noch einmal zusammengebracht. Auch der eigentliche Swanson-Förderer Cecil B. de Mille, Buster Keaton und die legendäre Klatschkolumnistin Hedda Hopper haben ihren Auftritt – alle drei als sie selbst. Diese Dosis Realität gibt der Tragikomödie eine beklemmende Wahrhaftigkeit.
Alraune
BRD 1952, R: Arthur Maria Rabenalt
D: Hildegard Knef, Erich von Stroheim, Karlheinz Böhm, 92’
1952 trat Erich von Stroheim ein einziges Mal in einem deutschen Film auf. Vielleicht wäre ihm für diesen Auftritt ein weniger kurioser Streifen zu wünschen gewesen, für die Rolle des verrückten Wissenschaftlers ten Brinken ist jedoch keine idealere Besetzung vorstellbar. Aus dem Samen eines Gehenkten züchtet ten Brinken ein wunderschönes, aber abgrundtief böses Geschöpf, Alraune (Hildegard Knef), das sich schließlich gegen seinen „Schöpfer“ wendet. An Stroheims Seite: seine Lebensgefährtin Denise Vernac als entzückend hysterische Gouvernante.
Storm Over Lisbon
USA 1944, R: George Sherman
D: Vera Hruba Ralston, Richard Allen, Erich von Stroheim, 83´
Angestachelt vom Erfolg des Filmes „Casablanca“ produzierte das kleine Hollywoodstudio Republic mit „Storm Over Lisbon“ (USA 1944) ein eigenes, spannendes Plagiat und versammelte dafür eine erstaunliche Anzahl namhafter Künstler. John Alton, einer der besten amerikanischen Kameramänner, fotografierte das exotische Abenteuer. Stummfilmstar Richard Arlen spielte die männliche Hauptrolle an der Seite der jungen Tschechin Vera Ralston, und allen voran: Erich von Stroheim in der Rolle des zwielichtigen Restaurantbesitzers.

Bildunterschrift: Alraune



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