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Jürgen Vogel
Jürgen Vogel 

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Jürgen Vogel

Januar 2006
Nach dem großen Erfolg der Daniel-Brühl-Werkschau und seinem Besuch im Filmmuseum im Januar 2005 folgte im Januar 2006 eine Jürgen Vogel-Werkschau. Damit setzten wir den Fokus auf den deutschen Film und seine Schauspieler fort.

Jürgen Vogel (geboren am 29.4.1968) ist seit vielen Jahren in den verschiedensten Genres Garant für erfolgreiche deutsche Fernseh- und Kinofilme. Er spielt, schreibt, produziert – und er macht Musik: Mit der Hansen-Band aus Keine Lieder über Liebe (2005) ging er auf Deutschland-Tournee. Die ausgewählten Filme
demonstrieren die Wandlungsfähigkeit des 37jährigen Mimen, der nach einem Tag wegen „unakzeptabler Weltfremdheit“ von der Münchner Schauspielschule floh und sich aufs „learning by doing“ und eine riesen Portion Gelassenheit verließ. Zu recht: Schon seit einigen Jahren gehört der noch immer jungenhaft wirkende Jürgen Vogel mit seinem differenzierten Spiel, seiner natürlichen und gerade deshalb glaubwürdigen Leinwandpräsenz zu den viel beschäftigten, profiliertesten und bei der Kritik und dem Publikum beliebtesten Schauspielern. Davon zeugen Preise wie der Bayerische Filmpreis für Rosamunde (1990), für Kleine Haie (1993) und das Filmband in Gold für Das Leben ist eine Baustelle (1993).
Figuren am Rande der Gesellschaft oder mitten aus dem Leben, Menschen, die sich stolpernd durchs Leben schlagen, vom kleinen Glück träumen und sich oft genug selbst im Wege stehen, gehören bevorzugt zu seinem Repertoire.
Gespielt hat er mit den Besten aus der deutschen Schauspielerriege, die nun alle in der Filmreihe zu erleben sind: Kai Wiesinger, Meret Becker, Armin Rohde, Jasmin Tabatabai, Dani Levy, Corinna Harfouch, Ben Becker, Henry Hübchen, Nadja Uhl, Margit Carstensen, Vadim Glowna, Florian Lukas und Heike Makatsch.
Mehr mit dem Bauch als dem Kopf agierend, beweist Jürgen Vogel immer wieder aufs Neue Experimentierfreude.
Wichtig sind dem Naturtalent seine Freunde und die Familie, der Erfolg ist für ihn wie
„ein Glas Sekt“. Mit ihm hatten wir dazu Gelegenheit am 26. Januar bei uns im Kino.

Kleine Haie
RE: Sönke Wortmann, D 1991
Der Zufall führt sie zusammen: drei junge Männer um die zwanzig, die Schauspieler werden wollen. Gemeinsam macht sich das ungleiche Trio auf eine Odyssee durch Deutschland, von einem Vorsprechtermin zum nächsten. Abenteuer des Alltags an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Für das überzeugende Schauspieler-Ensemble, allen voran Jürgen Vogel, und die exzellente Kameraarbeit gab es für den Publikumsliebling 1993 u.a. den Deutschen Filmpreis.

Die Mediocren
RE: Matthias Glasner, D 1994
Vier Freunde zwischen 20 und 30 suchen ihren Platz im Leben. Doch trotz großer Gefühle und Ideale, plagen sie innere Leere und Perspektivlosigkeit, die durch ihr ebenso wortreiches wie inhaltsloses Gerede (medioker, frz. für mittelmäßig) überspielt werden sollen. Dabei hört keiner dem Anderen wirklich zu.
„Eine inszenatorisch überraschend kurzweilige, betont ausgeflippt-fröhliche „Zeitgeist“-Komödie mit einigen ironischen Spitzen, die sich aber weitgehend eines Kommentars enthält.“ (Filmdienst 11/95)

Sexy Sadie
RE: Matthias Glasner, D 1995
Drei Wochen nach der Idee und einem Bankkredit begannen schon die Dreharbeiten für „Sexy Sadie“, in dem Jürgen Vogel nicht nur Hauptdarsteller, sondern neben Matthias Glasner auch Koproduzent mit deren gemeinsamer Schwarzweiss-Filmfirma war. Erzählt wird die Geschichte des skrupellosen Serienkillers Edgar, der, als er erfährt, nur noch kurze Zeit zu leben, aus dem Gefängnis ausbricht. Im Schlepptau seine (strippenziehende) Ärztin, die er als Geisel nimmt. Edgar will seine letzten Tage in Freiheit genießen, panisch blasen seine Opfer zur Gegenwehr. Die erstklassige Schwarz-Weiß-Fotografie, das hervorragende Ensemble und der schöne Soundtrack machen „Sexy Sadie“ zu einem filmischen Kino-Blues.

Fette Welt
RE: Jan Schütte, D 1997
Eine ergreifende Liebesgeschichte im Penner-Milieu Münchens erzählt Jan Schüttes „Fette Welt“. Ein leiser, sehr eindringlicher Film. Das Milieu ist treffend geschildert, ohne Idyllik oder Sozialkitsch. ... Seine Eindringlichkeit bezieht der Film aber weder aus der Milieugenauigkeit noch aus der gut komponierten Story, sondern aus der äußersten Glaubwürdigkeit des Hauptdarstellers Jürgen Vogel. Er macht keine einzige falsche Geste.“ (epd 3 / 99) Adaption der „Hagen-Trinker-Trilogie“, dem autobiografisch motivierten Roman von Helmut Krausser.

Sass – Die Meisterdiebe
RE: Carlo Rola, D 2000
Vor Franz und Erich, 1906 und 1907 in Berlin geboren, ist nichts sicher. Schon als Kinder klauen sie wie die Raben, später knacken sie – gefeiert als Gentlemen-Ganoven – hoch professionell Tresore aller Art, auch Parteigelder der Nazis werden bedenkenlos geraubt. Die atemlos hinterher hechelnde Polizei findet nur verlassene und spurenlose Tatorte. 1933 nach Dänemark geflohen, 1934 verhaftet, 1940 verurteilt, werden sie im KZ Sachsenhausen ermordet. Mit den historischen Fakten jonglierend, funktioniert die teils kolportagehafte Gaunerkomödie hauptsächlich durch die beiden Hauptdarsteller, denen die Rollen scheinbar auf den Leib geschrieben worden sind.

Scherbentanz
RE: Chris Kraus, D 2001
Der an Leukämie erkrankte Jesko reist auf Einladung seines Bruders Ansgar nach vielen Jahren in das herrschaftliche Haus seiner Eltern. Hier begegnet er unvorbereitet der ungeliebten und geistig verwirrten Mutter, die als Knochenmarkspenderin fungieren soll. Während der erzwungenen Familienzusammenführung werden verdrängte Wunden aufgerissen, lange Ungesagtes nun endlich befreiend herausgeschrieen, Verletzungen offen gelegt.
Die durch mehrere Figurenstränge zum Teil überfrachtete Familientragödie erstrahlt vor allem durch das exzessive Spiel Margit Carstensens, „eine der letzten großen Wahnsinnigen des deutschen Films und Theaters.“ (epd 11/02)

Das Phantom
RE: Dennis Gansel, D 1999
Zehn Jahre nach dem Attentat auf den Finanzminister durch die RAF entdeckt ein Drogenfahnder, dass ein getöteter Dealer ein untergetauchter Terrorist war. Als er die Zusammenhänge erahnt, gerät er in größte Gefahr, da er einer Verschwörung höchster politischer Kreise auf die Spur kommt. (Filmlexikon)

Mein Name ist Bach
RE: Dominique de Rivaz, CH/D 2002
Der junge reizbare König Friedrich II., Repräsentant der Macht, fordert den altersschwachen Johann Sebastian Bach, Repräsentant der Kunst, bei seinem Besuch in Preußen heraus: Aus einer kleinen, aber vertrackten Melodie, bestehend aus vier Tönen, soll der Thomaskantor eine Fuge für sechs Stimmen komponieren.
Die Männer, zusammengeführt durch die Musik, kommen sich in ihrem Wettstreit langsam näher. Friedrich lernt Bach als Autorität bzw. Vaterfigur anzuerkennen, Bach widmet schließlich sein in Potsdam entstandenes vorletztes Werk „Das musikalische Opfer“ dem König. Das bis in kleine Nebenrollen ausgezeichnet besetzte Spielfilmdebüt überzeugt ebenso durch sein gutes Drehbuch.

Keine Lieder über Liebe
RE: Lars Kraume, D 2005
Koproduzent und Hauptdarsteller Jürgen Vogel wollte einen Musiker spielen und regte seinen Freund Lars Kraume zu „Keine Lieder über Liebe“ an. Mit einem groben Handlungsgerüst machten sie sich an die Umsetzung der Dreiecksgeschichte um den Bandleader Markus, seinem Bruder Tobias, der die Tour filmen will, und Ellen, der Frau zwischen den beiden Männern. Lars Kraume, der nach eigener Aussage von tingelnden Bands nichts versteht, improvisierte mit seinen Mimen in Dogma-Manier und hart an der Realität. Jürgen Vogel singt dann nicht nur im Film, sondern ging mit der Hansen-Band auch auf Deutschland-Tour.

Handicap als Markenzeichen
Podiumsgespräch mit dem Schauspieler Jürgen Vogel im vollen Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, Hanne Landbeck, 28./29.1.2006
Hunderte junger glänzender Augen, meist aus Frauengesichtern, strahlten ihn an: Jürgen Vogel hüpfte am Donnerstagabend im Filmmuseum behände in weißem T-Shirt zur Blue Jeans auf das Podium. (...) Gerne kokettiert der Unkonventionelle mit seiner „Authentizität”, er will nichts Aufgesetztes mitmachen oder gar spielen. Zum Teil mag das wohl auch an der durchaus bemerkenswerten „Zahnstellung”, wie Dorett Molitor es formulierte, liegen. Diese nämlich offenbart immer seine Verletzlichkeit, erhöht seine Glaubwürdigkeit, und erklärt wohl auch die Auswahl an Rollen der inzwischen mehr als 40 Filme des 1968 Geborenen.
Gern spielt Vogel Außenseiter, Randfiguren, Gauner, Kleinkriminelle, alle immer mit einer Menschlichkeit des Unperfekten, die ihresgleichen sucht. (...)
Der Star dominierte in voller Auskostung der Scheinwerferlichter locker unterhaltsam den gesamten Saal.
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