August 2006
Filmmuseum Potsdam in Kooperation mit ARTEVENT POTSDAM GmbH, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, der Musikfestspiele Sanssouci und Nikolaisaal Potsdam GmbH und dem Filmverleih Neue Visionen.
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„Neue Visionen” brachte Filme zurück auf die Leinwand, die in den letzen Jahren nahezu ersatzlos verschwunden waren.
Alle reden über Kultfilme, im Sommer 2006 konnte man einige, dem deutschen Kino verloren gegangene Filme endlich wieder auf der Leinwand sehen.
„Keine teuren Empfänge, keine Börsenkurse oder Output Deals, dafür Kontinuität und gute Filme“, so die Devise des 1997 gegründeten Berliner Verleihs Neue Visionen.
Über die eigenen Kinostarts hinaus widmet sich das 10köpfige Team dem Aufbau eines umfangreichen Repertoireprogramms.
Kommerzielle Verleiher zielen auf kurze Auswertungszeiten. Sind vorhandene Kopien verschlissen, ist die Anfertigung neuer Kopien vielen zu kostspielig.
Neue Visionen bringt Filme zurück auf die Leinwand, die in den letzen Jahren nahezu ersatzlos verschwunden waren. Alle reden über Kultfilme, nun kann man einige, dem deutschen Kino verloren gegangene Filme endlich wieder auf der Leinwand sehen.
Unter ihnen echte Klassiker, wie der Film Casablanca, der, so Torsten Frehse, Mitbegründer von Neue Visionen, „unbeachtet in der Ecke eines börsennotierten Unternehmens lag“.
Das Filmmuseum Potsdam nahm die Arbeit des Filmverleihs Neue Visionen im Bereich Repertoirepflege zum Anlass und präsentierte einige der schönsten Wiederentdeckungen im diesjährigen Freilichtkinoprogramm.
CasablancaR: Michael Curtiz, D: Ingrid Bergmann, Humphrey Bogart, Paul Henreid, Claude Rains, Peter Lorre, USA 1942, 104’
Ingrid Bergman und Humphrey Bogart, eines der berühmtesten Filmpaare in einem der berühmtesten Filme der Filmgeschichte: 1941, Casablanca wird für viele Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika. Die meisten kommen, um eines der begehrten Ausreisevisa zu erhalten. So auch Lisa und ihr Mann Victor Laszlo, als Widerstandskämpfer auf der Flucht vor den Faschisten. Lisa trifft Rick wieder, der hier ein Cafe betreibt. In Paris hatten sich beide ineinander verliebt. Lisa glaubte damals, ihr Mann sei im KZ umgekommen. Als sie erfuhr, dass ihr Mann noch lebt, verließ sie Paris, ohne sich von Rick zu verabschieden. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich jetzt an ihn mit der Bitte, ihr bei der Beschaffung der Visa behilflich zu sein.
Unglaublich ist die Entstehungsgeschichte des Films: Casablanca ist einfach passiert, wie Zufälle passieren. Das Drehbuch wurde nie fertiggestellt, die Regisseure Michael Curtiz und Howard Hawks tauschten kurzfristig noch ihre Filme und Ingrid Bergman hatte eigentlich keine Zeit, denn sie war nur „ausgeliehen", und wusste bis zum Ende nicht, wen sie im Film eigentlich lieben sollte.
Easyrider R: Dennis Hopper, D: Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, USA 1969, 94’
Durch einen Kokain-Deal mit dem nötigen Startkapital versehen, lassen Wyatt und Billy ihr altes Leben hinter sich und brechen mit ihren Motorrädern zum Mardi Gras Festival nach New Orleans auf. Bei einem kurzen Gefängnisaufenthalt machen sie die Bekanntschaft des Anwalts und Trinkers George Hanson, der sich ihnen anschließt. Je weiter sie nach Süden vordringen, desto aggressiver schlägt ihnen der Hass konservativer Amerikaner entgegen. Ihre Suche nach dem ursprünglichen Amerika endet schließlich in der Katastrophe.
Mit seinem Film Easy Rider demontiert Dennis Hopper, der erstmals auch die Regie übernahm, nicht nur den Mythos vom amerikanischen Traum. Er erzählt vom Verlust der Illusion vom selbstbestimmten Lebens einer ganzen Generation in einem konformistisch geprägten Land.
Blow Up R: Michelangelo Antonioni, D: David Hemmings, Vanessa Redgrave, Sarah Miles, John Castle, GB/I 1966, 111’, OmU
Thomas fotografiert in einem Park ein vermeintliches Liebespärchen. Die junge Frau entdeckt Thomas und verlangt den Film. Bei einem Besuch in seinem Fotoatelier gibt ihr Thomas bewusst den falschen Film. Nachdem er den Richtigen entwickelt hat, entdeckt er auf den Fotos mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Er glaubt einem Mord auf die Spur gekommen zu sein. Kurz darauf wird sein Atelier von Unbekannten durchsucht.
„In Inszenierung, Fotografie und Darstellung hervorragender Film von Antonioni, der die Faszination des Bildes als Abbild tatsächlicher oder vermeintlicher Wirklichkeit und die Möglichkeiten der Manipulation aufzuzeigen versucht und zugleich ein Porträt der „Beat-Generation” zeichnet.” (Lex. des int. Films)
Romeo und Julia im Schnee R: Ernst Lubitsch, D: Jacob Tiedtke, Marga Köhler, Lotte Neumann, Gustav von Wangenheim, D 1920, 44’ (Fragment)
Am Klavier begleitet von Peter Gotthardt
Frühe Stummfilmgroteske von Ernst Lubitsch, die den Shakespeare-Stoff in den Schwarzwald versetzt und ihn mit Karikaturen aus dem Volksstück belebt. Die Capulethofers verloben ihre Julia mit einem törichten verfressenen Jüngling aus der Nachbarschaft, und der Streit der Familien wird vom Apotheker mit Hilfe von Zuckerwasser vereitelt. Die Pointen sitzen präzise und akzentuiert.
Der Film galt lange als verschollen. 1999 entdeckte ihn das Filmarchiv Austria in seinen Beständen und rekonstruierte ihn gemeinsam mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin.
Cyrano von Bergerac Cyrano von Bergerac R: Jean-Paul Rappeneau, D: Gérard Depardieu, Anne Brochet, Vincent Perez, F 1990, 138’
Cyrano de Bergerac, ein durch seine große Nase missgestalteter Gardist, der die Kunst des Fechtens nicht minder beherrscht als die des Dichtens, leidet unter der unerwiderten Liebe zu seiner schönen Kusine Roxane. Um ihr nahe zu sein, bietet er seinem schriftstellerisch ungewandten Nebenbuhler Christian an, in dessen Namen Liebesbriefe an Roxane zu verfassen. In prachtvollen Bildern gestaltete Neuverfilmung des gleichnamigen romantischen Theaterstücks von Edmond Rostand.
Papageno R: Lotte Reiniger, Silhouettenfilm nach Motiven aus der Oper „Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, D 1935, 11’
Papageno, der glückliche Vogelfänger, fühlt sich einsam in der Gesellschaft seiner Vögel. Da erscheint seine ihm zugedachte Papagena. Sein Glück scheint vollkommen. Als sie jedoch vor einer Schlange flieht, können nur noch seine drei Papageien alles retten ... Am Ende finden sich alle zu einem fröhlichen Tanz.
Sommer vorm Balkon R: Andreas Dresen D: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, D 2005, 110’
Ein Sommer in Berlin. In einem alten Mietshaus wohnen die Freundinnen Katrin und Nike. Nike hat einen Balkon, Katrin einen Sohn, Ronald fährt einen Truck, Tina ist Kellnerin, Oskar und Helene sind alt und allein. Ob mitten im Leben oder fast am Ende, sie alle fragen sich das Gleiche: Dauert die Liebe über die Jahreszeiten? Oder ist sie nur ein Botenstoff im Hirn, der kommt und geht? Es wird gelebt und geliebt, und es ist immer noch Sommer in Berlin.
In Anwesenheit der Schauspielerin Nadja Uhl.
Impressum
Filmmuseum Potsdam
Marstall am Lustgarten, 14467 Potsdam, T (0331) 27181-0
www.filmmuseum-potsdam.de
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Am Neuen Markt, 14467 Potsdam, T (0331) 620 85-50
www.hbpg.de
ART EVENT Potsdam GmbH
Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam, T (0331) 9510585
www.art-event-potsdam.com
Mehr zur Technik
Mobiler Kinowagen auf Basis des LKW S 4000 aus dem VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube” Werdau. Dieser Kinowagen wurde nach 1990 aus den Beständen der Bezirksfilmdirektion Potsdam (Standort Nähe Wittstock) übernommen und 1995/96 durch Tausch des Fahrgestells zu einem betriebsfähigen Fahrzeug umgebaut. Der LKW ist mit zwei 35mm-Filmprojektoren des Typs Ernemann VII B mit Kohlebogenlicht ausgerüstet. Freilichtkino wird somit im Charme der 1950er Jahre erlebbar.

Bildunterschrift: Mobiler Kinowagen (LKW S 4000, VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube” Werdau)




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