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Daniel Brühl zu Gast im Filmmuseum (2005); Foto: J.K. Leopold
Daniel Brühl zu Gast im Filmmuseum (2005); Foto: J.K. Leopold 

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Daniel Brühl

Januar 2004
Seit seiner Kindheit wollte er Schauspieler werden. 15-jährig drehte er seinen ersten Fernsehfilm. Nie aber hat Daniel Brühl eine Schauspielschule besucht. Warum? In Deutschland waren sie ihm „zu bühnenorientiert”, Amerika schien noch unerreichbar. Er verlässt sich auf die Methode des „method acting”. In der Vorbereitungszeit schöpft er weitgehend aus dem eigenen Erleben und lässt es in das Spiel einfließen, und das mit Erfolg. „In jedem seiner Filme seit "Nichts bereuen" gibt es Szenen, die Brühl so verdichtet spielt, dass man tatsächlich spürt, wie intensiv er sich diesen Situationen nicht nur technisch, sondern auch mental angenähert hat”, schreibt epd Film über seine außergewöhnlichen schauspielerischen Fähigkeiten. In den meisten seiner Filme spielte Brühl bisher den Part des krisengeschüttelten Heranwachsenden in klassischen Coming-of-Age-Geschichten, doch dabei – dies erkennt ihm epd Film an – hat er „jeder der Rollen ganz eigene Facetten in Ton, Mimik, Gang und Ausstrahlung verliehen”. Daniel Brühl wird 2002 als bester Hauptdarsteller für seine Rollen in „Nichts bereuen”, „Das weiße Rauschen” und „Vaya Con Dios” mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Bei der Europäischen Filmpreisverleihung im Dezember 2003 wurde er als bester Schauspieler (Jury) gekürt und erhielt den Schauspieler-Publikumspreis, beides für „Good Bye, Lenin!” – also für bestes Publikumskino. Als deutscher Kandidat für die Auslands-Nominierung winkt im Februar nun der Oscar.

Honolulu
RE: Uschi Ferstl, Florian Gallenberger, Saskia Jell, Vanessa Jopp, Matthias Lehmann, Beryl Schennen, Sandra Schmidt-Podmore, D 1999
Episodenfilm über das innenleben junger Männer und Frauen – beim Warten auf den Bus, in fremden Autos, auf Fun-Pirsch im Freibad und bei Null Bock auf Nix. „Ich-bin-ja-soo-originell-Mätzchen” stehen hier neben Suff-Monologen über Traumweiber und Potenzkerle. Ein Weltschmerz-Sammelgrunzer aus dem Spaß- und Bierdosenuniversum. Den sieben Regieabsolventen der Münchner Filmhochschule ist ein leichtes, anregendes Panoptikum jungen Lebensgefühls gelungen: diese Mischung aus Verlorenheit und Coolness, hinter der sich letztlich doch der Wunsch nach Sinn und Tiefe verbirgt.

Vita Reducta
RE: Tom Schreiber, D 1999
Zivildienst in den Katakomben eines Krankenhauses. Das bedeutet: Die Zeit absitzen, Striche ziehen, auf den Gängen surfen. Der von der Kölner Kunsthochschule für Medien produzierte Kurzfilm erzählt von einer Zeit des Übergangs und der unerwarteten Erfahrungen.

Das weiße Rauschen
RE: Hans Weingartner, D 2001
Der 21-jährige Lukas zieht zum Studium in die WG seiner Schwester nach Köln und freut sich auf das Leben in der Großstadt. Er stürzt sich ins Nachtleben. Nach einem Drogentrip aber hört Lukas Stimmen, die ihn fortan nicht mehr in Ruhe lassen. Sie bedrängen ihn und versetzen ihn in panische Angst. Seine Verhaltensauffälligkeiten – wie Aggressionsausbrüche oder der zunehmende Verlust des Realitätsbezugs – machen ihn für seine Umgebung immer inakzeptabler. Ein langer, aufreibender Kampf gegen die paranoide Schizophrenie beginnt.

Schule
RE: Marco Petry, D 2000
Die letzten Schultage stehen bevor. Eine zehnköpfige Gruppe von Abiturienten trifft sich zu einer Party am örtlichen See. Nach allen Regeln der Kunst wird gekifft und angebaggert ... Ein Tag und eine Nacht im Leben von Jugendlichen als Typenparade in einer lockeren Geschichte über Liebe, Lügen, Eitelkeiten und die letzte Phase eines sorglosen Lebens, in der man noch manches ausprobieren kann. Das aus Schülersicht erzählte Generationsportrait bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Identifikation und Wiedererkennung.

Vaya Con Dios - Und führe uns nicht in Versuchung
RE: Zoltan Spirandelli, D 2000
Drei Mönche, Cantorianer eines verfallenen Brandenburger Ordens, brechen nach dem Tod ihres Abts nach italien zu ihren Ordensbrüdern auf. Dessen letzter Wunsch war die Überbringung der „Regula Cantorianorum”, die in einem dicken Buch versammelten Ordensregeln. Bisher weltentrückt im A-Capella-Gesang aufgehend, sind die Mönche nun zahlreichen Verlockungen und Verführungen der „Außenwelt” ausgesetzt. Spirandelli entwickelte seine märchenhafte Komödie zwischen Erhabenheit und Lächerlichkeit, in der Kirchenmusik als Vermittler von Religiosität zu einem überzeugenden Bestandteil der Filmhandlung wurde.

Nichts bereuen
RE: Benjamin Quabeck, D 2000
Abtasten der pubertären Unsicherheitsgefühle nach dem Abitur. Der Zivildienstleistende Daniel, mit den Grausamkeiten der Greisenbetreuung konfrontiert, ist zugleich im Aufruhr der Sexualität auf Orientierungssuche. Er befindet sich in einem Stadium der Unreife, des Experimentierens. Da sich seine große Liebe zu Luca nicht erfüllt, geht er ein Verhältnis mit einer älteren Krankenschwester ein. Daniel muss jedoch einsehen, dass sein erstes Liebeserlebnis nur eine Station auf dem Weg ins Leben ist. Erzählung vom Erwachsenwerden und seinen inneren Verwirrungen.

Elefantenherz
RE: Züli Aladag, D 2001
Der 19-jährige Marko boxt sich durch: Er will sich von seinem gewalttätigen Vater lösen und bastelt zugleich an seinem Traum – einer Karriere als Profiboxer. In dem gescheiterten Box-Promoter Hermsbach findet er einen fragwürdigen Ersatzvater. Als Marko jedoch in seinem ersten Profi-Kampf unterliegt, verliert er „zur Strafe” alle Privilegien. Auf eine zweite Chance hoffend, jobbt er als Geldeintreiber für Hermsbach und büßt dabei allmählich jedes Gefühl für die Realität ein: Freundschaft und Verantwortung, Familie und Geborgenheit, Erfolg und eigenverantwortlicher Aufstieg – Marko droht die Kontrolle zu verlieren; nicht nur über die Ereignisse, sondern auch über seine Gefühle und Wertmaßstäbe.

Good Bye, Lenin!
RE: Wolfgang Becker, D 2001
Herbst 1989, die Selbstauflösung der DDR ist in vollem Gange. Kurz vor dem Fall der Mauer erleidet Mutter Kerner einen Herzinfarkt und fällt ins Koma. Erst im Sommer 1990 wacht die verdiente Aktivistin der Deutschen Demokratischen Republik wieder auf. Da ihr vom Arzt strenge Schonung verordnet wurde, beschließen ihr Sohn Alex und seine Schwester, ihr das Verschlafene – den Untergang der DDR und die Wiedervereinigung – zu verheimlichen.

Ein Stück innere Welt
Ein Porträt des Schauspielers Daniel Brühl
Gabriele Michel, epd Film 2/2003
Schauspieler werden wollte er von Kind an – und bis heute ist die Schauspielerei sein Traumberuf geblieben: Daniel Brühl, bekannt geworden durch NICHTS BEREUEN, DAS WEISSE RAUSCHEN und VAYA CON DIOS, ist „der deutsche Nachwuchsstar”. Im letzten Jahr mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, wird der 24-Jährige während der diesjährigen Berlinale als europäischer Shooting Star vorgestellt. Dort läuft auch sein neuester Film, GOOD BYE, LENIN! im Wettbewerb. Eine Begegnung mit einem Vollblutschauspieler, der nie eine Schauspielschule besuchte. Bis jetzt hat er meist den Part des krisengeschüttelten jungen Mannes in klassischen Coming-of-Age-Geschichten gespielt. Aber er hat doch jeder der Rollen ganz eigene Facetten in Ton, Mimik, Gang und Ausstrahlung verlichen, dem chaotisch verliebten Daniel (NICHTS BEREUEN), dem scheuen Arbo (VAYA CON DIOS), vor allem aber Lukas (DAS WEISSE RAUSCHEN), der nach einem Drogentrip in die Psychose abdriftet. „Ich versuche generell, in der Vorbereitungszeit meinen eigenen Alltag durch den der Figur zu ersetzen. Denn auch wenn ich es nicht bei jedem Film radikal praktiziere – wie Robert De Niro beispielsweise, den ich total bewundere – bin ich doch ein großer Anhänger des Method Acting. Meist fahre ich für zwei, drei Wochen ins Haus meiner Eltern, das liegt einsam in den Bergen südlich von Barcelona. Da kann ich mich der Figur annähern, bevor die gemeinsame Arbeit mit dem Regisseur beginnt.”
Method Acting
Wenn man es weiß, sieht man es. In jedem seiner Filme seit NICHTS BEREUEN gibt es Szenen, die Brühl so verdichtet spielt, dass man tatsächlich spürt, wie intensiv er sich diesen Situationen nicht nur technisch, sondern auch mental angenähert hat. In DAS WEISSE RAUSCHEN von Hans Weingartner, in dem er einen Schizophrenen verkörpert, erzeugt er dadurch eine so beklemmende Atmosphäre von Verunsicherung und Bedrohung, dass die Verstörung sich von der Figur direkt auf den Zuschauer überträgt – ein beängstigendes Stück Schauspielkunst.
„Es ist mir wichtig, den Figuren, die mir teils schon sehr fremd sind, immer etwas von meinen Erlebnissen und Gefühlen mitzugeben. Weil ich glaube, dass sie nur dann echt wirken. Bei Lukas zum Beispiel in der Eingangsszene im Zug und später dann auch vor dem Kino. So abgedreht war ich in dem Alter auch, nur dass ich nie so weit gegangen bin. Da gibt einem ein Film ja auch die Möglichkeit, Dinge zu tun, die man im Leben nicht getan hat, vielleicht nie getan hätte. So wie Daniel sich ans Kreuz zu nageln, um das ganze Elend raus zu bringen.”
Mit den Rollen leben
Außerdem bemüht er sich bei jedem Film, Menschen kennen zu lemen, die das leben, was er spielt. So war er vor den Dreharbeiten von DAS WEISSE RAUSCHEN mit Regisseur Weingartner und einem von dessen Freunden, bei dem Schizophrene diagnostiziert wurde, zusammen in Österreich wandern. Mit diesem Freund und durch ihn hat er die Krankheit kennen gelernt und sich entlang dieser vermittelten Erfahrungen seine eigenen Ausdrucksformen gesucht. „Das war gerade bei diesem Film schon sehr schwierig. Die Scheu abzulegen aber auch nicht zu dick aufzutragen beim Spiel. Aber irgendwann war ich dann "drin", und so fremd ist mir Lukas auch wieder nicht. Zwar habe ich nicht unbedingt Angst, krank zu werden, aber ein Stück weit bin ich schließlich wahnsinnig.” Wenn er das sagt, klingt es weder cool noch kokett. Dazu jener ungekünstelte, auch ein wenig wehrlos direkte Blick, der all seine Figuren auszeichnet und klar macht: Er weiß, was er sagt. In einer Szene von DAS WEISSE RAUSCHEN, in der Lukas einer Schaufensterpuppe mit der Stichsäge den Kopf abtrennen soll, ist dieser Wahnsinn besonders nah: Lukas′ Entsetzen – und das Unverständnis des Kollegen, der Lukas′ "Das kann ich nicht" rein handwerklich versteht, dann Lukas′ panischer Gesichtsausdruck, der ohne jedes Wort spürbar werden lässt, welches irrwitzige Chaos sich in diesem Moment in ihm abspielt ... Überhaupt sein Blick. Er vermittelt den Eindruck eines Menschen, der ein ausgeprägtes Gespür und Bewusststsein von sich selbst hat, damit auch eine gewisse Stabilität – und zugleich bereit – oder auch bedroht – ist, im nächsten Augenblick diesen festen Boden und jede Orientierung zu verlieren, sich neuen Menschen, unwägbaren Unternehmungen, nie gekannten Regungen auszusetzen.
Und er hat einen Blick, mit dem er die Zuschauer bannt. Nicht zufällig gibt es immer wieder Szenen, in denen er, auch in längeren Sequenzen, direkt in die Kamera schaut und spricht. Vor allem in der Eingangsszene von NICHTS BEREUEN, aber auch in Lukas′ hektisch flackernden Augen, Arbos vertrauensvollem Ausdruck. In jedem dieser Blicke liegt ein Stück innere Welt. Dabei war es eigentlich seine Stimme, die ihn zum Film gebracht hat. Als 8-Jähriger gewann er einen Vorlesewettbewerb. Da lebte Daniel Brühl, 1978 als Jüngster von drei Geschwistern in Barcelona geboren, schon einige Jahre in Köln. Sein Onkel, Rundfunkredakteur, bot ihm daraufhin an, ein Hörspiel zu sprechen. Bald darauf begann Brühl, Filme zu synchronisieren. „Und dann habe ich auch eine Weile mal in einer Band gesungen. Vor allem das (Synchron-) Sprechen aber ist eine Vorform des Spielens, Dann habe ich auch schon während der Schule gedreht – 15-jährig mit Roland Suso Richter den ersten Fernsehfilm: SVENS GEHEIMNIS. So war mir klar, dass ich zum Film wollte. Das hatte den Vorteil, dass ich nach dem Abitur nicht herumhing, sondern wusste, wie es weiter gehen sollte.” Weil ihm Schauspielschulen in Deutschland zu bühnenorientiert waren, übersprang Brühl die Ausbildung – „allerdings möchte ich künftig in Amerika Schauspielseminare besuchen” –, und 2000 wurde SCHULE für ihn zum ersten Leinwanderfolg. Mittlerweile ist er bei der Sorte Film angekommen, mit der er sich wirklich identifiziert. „Wenn es einfach nur heißt: "Ist ja ganz nett und unterhaltsam", das reicht mir nicht. Ich möchte, dass die Zuschauer etwas mitnehmen aus dem Film. Meinetwegen kann es auch Widerstand und Kritik, sein – lieber als so eine belanglose Zustimmung.” Klamauk ist seine Sache nicht. Und bloße Action ebenso wenig.
Neue Projekte
Daniel Brühl will der Tendenz zu Trash und Tingeltangel etwas entgegensetzen. Das tut er auch in dem neuen, eher unscheinbaren Film ELEFANTENHERZ (RE: Züli Aladag), der letztes Jahr in Saarbrücken seine Premiere hatte und dieses Jahr in die Kinos kommen soll. Sein Marko will zwar Profiboxer werden, ist aber weder kräftig noch cool. Fragilität, Durchlässigkeit, ein extremes Schwanken zwischen widersprüchlichen Gefühlen – suchende (ver-)zweifelnde Gesten und Blicke dominieren seine Figur auch in dieser Geschichte, die von Arbeitslosigkeit, Gewalt, Suff und Verrat erzählt und davon, wie schwer es ist, inmitten dieses alltäglichen Elends einen Platz zu finden. Auch Marko besitzt jene Überzeugungskraft, die Brühls Figuren kennzeichnet. Dieses mittlerweile schon Typische ist allerdings nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern birgt auch eine Gefahr. Die Gefahr, dass er sich selbst festlegt – auf die Rolle des Vertrauen erweckenden jugendlichen Helden in „Problemfilmen”, Dieser Sackgasse zu entgehen, wird beruflich die nächste Aufgabe für ihn sein. Und vielleicht bekommt seine „Erfolgsgeschichte” aber auch neue Gestalt und Dynamik, wenn er gezielt auf Risiko setzt und die bewährten Genres und Rollenmuster verlässt.
Sicher keine leichte Übung für einen so ausgeprägten Perfektionisten wie Brühl. „Das ist manchmal ganz schrecklich, ich bin so leicht unzufrieden und grüble an jeder Szene herum. Schon während des Drehens bin ich ziemlich monoman und auch sehr anspruchsvoll, was die Betreuung betrifft. Ich möchte mich mit dem Regisseur auseinander setzen können, der sollte sich nicht so sehr für technische Probleme, sondern vor allem für die Schauspieler zuständig fühlen. Und er muss selbst ein Maniac sein, einer, der nicht locker lässt, bis man das Optimum erreicht hat. Das war zum Beispiel mit Wolfgang Becker in GOOD BYE, LENIN! möglich und auch mit Achim von Borries, mit dem ich aktuell drehe. LIEBE IN GEDANKEN ist ein historisches Projekt über die so genannte Steglitzer Schülertragödie. Eine dramatische Geschichte, die sich 1927 hier in Berlin ereignet und damals viel Aufsehen erregt hat. Es gab da eine Gruppe von jungen Leuten, die sich zu einer Art Selbstmordclub zusammengetan hatten.”
Arbeit, Projekte, Termingedrängel, Film-Promotion - geht das nun immer so weiter? Daniel Brühl winkt ab. „Natürlich muss ich erst mal alle Verpflichtungen, die ich übernommen habe, einlösen. Und dann möchte ich noch mein erstes eigenes Drehbuch realisieren, an dem ich gerade zusammen mit Vanessa Jopp arbeite. Darin geht es um die Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jungen Mann – aber nicht wie in HAROLD UND MAUDE. Das ist eine Geschichte, die ich selbst erlebt habe und die sich bis heute als Idee gehalten hat. Die will dann wohl auch erzählt werden.”
Außerdem steht ein Umzug an die Spree an. „Und danach mache ich erst mal eine Pause – um herauszufinden, was ich wirklich will. Und um zu reisen. Menschen und andere Orte kennen zu lernen ist für mich die beste Schauspielschule. Ich möchte mir Spanien anschauen, natürlich mit Blick auf Almodovar, und dann gibt es in Amerika jemanden, eine Art Agent, der möchte mich dort mit einigen Leuten bekannt machen.”
Mit wem er in Amerika gern arbeiten würde? „Solange er noch dreht mit Robert Altman, wenn ich ganz unbescheiden sein darf. Steven Soderbergh und natürlich David Lynch, aber da gibt es noch viele andere. Bei David Lynch hätte ich ja vielleicht sogar Chancen. Weil der meist nicht so auf bekannte Namen setzt.” Aber wer weiß, vielleicht wird Daniel Brühl bald auch international einen Namen haben.

Der nette Junge von nebenan
Daniel Brühl im Filmmuseum
Claudia Palma, Märkische Allgemeine, 14. Januar 2004
„Ich bin etwas durch den Wind”, sagt Daniel Brühl, fährt sich verlegen durchs Haar und lächelt. Frisch eingeflogen aus Teneriffa ist er von Tegel direkt über die Stadtautobahn ins Potsdamer Filmmuseum gerauscht. Das Haus widmet dem Schauspieler eine Filmreihe, viel Ehre für einen 25-Jährigen. Und er weiß es: „Passiert einem das nicht erst viel später im Leben?” Daniel Brühl ist der Shooting-Star, der vom Nachwuchs- bis zum Bundesfilmpreis für „Good Bye, Lenin!” alles einheimste ohne je eine Schauspielschule besucht zu haben. Im Filmmuseum sind jetzt auch seine früheren Filme zu besichtigen, Geschichten über die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens wie „Schule” und „Nichts bereuen”. Dazu „Das weiße Rauschen”, das Porträt eines Schizophrenen. (...)
In seiner Filmografie aber eher eine Ausnahme. Denn da er aussieht wie ein Schwiegermutter-Traum, besetzen ihn die Regisseure meistens als netten Jungen von nebenan. Für Brühl ein Greuel. „Hoffentlich wächst mir bald ein Bart, das macht mich markanter. Ich würde gern etwas richtig Fieses spielen, vielleicht einen Massenmörder.” Aber da ist kein Angebot in Sicht, man nimmt es ihm einfach nicht ab. Daniel Brühl ist nämlich auch im wirklichen Leben ein sympathischer Kerl. Der in Barcelona geborene, in Köln aufgewachsenen und in Berlin lebende junge Mann ist früh eingestiegen ins Mediengeschäft. Als Kind sprach er beim WDR in Hörspielen, es folgten Auftritte im Theater und Engagements als Synchronsprecher. Mit 15 spielte er in seinem ersten Fernsehfilm. Der Vater, selbst TV-Regisseur, warnte den Sohn: Erst die Schule! Doch er hatte seine Passion gefunden, übernahm weiter kleine Rollen. (...) Zwei Filme dreht Brühl im Jahr. „Das reicht mir, ich gammele gerne.” Dazu wird er in den nächsten drei Wochen keine Gelegenheit haben. Heute fliegt er mit dem „Lenin”-Team für drei Wochen in die USA, eine PR-Tour. „Das wird schrecklich.” Am liebsten würde er auf Publicity verzichten. Aber Interviews gehören zum Beruf. „Ich finde es wahnsinnig langweilig, was Schauspieler so erzählen.” Dabei wird es die Amerikaner sicher interessieren, wie chaotisch die Dreharbeiten waren, wie Wildschweine nächtens das Set verwüsteten, die Trabis nach und nach ausfielen und ein Hubschrauber fast vom Himmel fiel.
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