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Ausstellungsplakat / Blick in die Ausstellung
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» Ständige Ausstellung

3. Ausstellung, 2. April 2004 - 3. Juli 2011

Babelsberg – Gesichter einer Filmstadt
Die Ausstellung „Babelsberg – Gesichter einer Filmstadt”
(Veränderung 2006: Integration von Wechselausstellungen)
Babelsberg ist ein Synonym für Film – das älteste Filmstudio der Welt. Gegründet von 1911/12 von der Bioscop, war es Heimat der beiden großen Firmen Ufa und DEFA und ist heute als Studio Babelsberg ein Zentrum internationaler und deutscher Filmproduktion. Die Ausstellung behandelt die Geschichte des berühmten Studios und stellt Filme und Künstler von Ufa, DEFA und Studio Babelsberg vor. Ein Zeitstrahl erinnert an die Realität jenseits der Leinwand. Im Fokus stehen die DEFA-Jahre, die mit ihren Filmen, gewollt oder unbeabsichtigt, der DDR ein Denkmal setzten – und nun in Vergessenheit zu geraten drohen.

Mitunter war die Produktionsgeschichte spannender als mancher Film. Den Weg von der Filmidee bis zur Leinwand begleiten Heerscharen von Enthusiasten: Künstler, Handwerker, Organisatoren, Ökonomen. Was aus ihrer Arbeit wurde und sogar über ihr persönliches Schicksal, darüber urteilten während der beiden deutschen Diktaturen Entscheidungsträger in politischen Chefetagen und Zensoren. Diese politische Dimension der Filmherstellung wird in der Babelsberger Geschichte besonders deutlich. Die Basis dieser Schau bilden gegenständlichen Hinterlassenschaften von Babelsberger Produktionen aus den Sammlungen des Museums und Erinnerungen von Zeitzeugen. Mehr als 500 Originale geben eine Ahnung davon, welche Teamleistung hinter jedem Film steckt.
Kuratoren: Guido Altendorf, Bärbel Dalichow, Renate Schmal

Daten und Fakten


Ehemaliger Rundgang



1912 - 1945: Bioscop - Decla-Bioscop - Ufa
1946 - 1953: DEFA
1954 - 1966: DEFA
1967 - 1976: DEFA
1977 - 1994: DEFA
1994 - heute: Studio Babelsberg



1912 - 1945: Bioscop - Decla-Bioscop - Ufa


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Postkarte „Siegfried” zum Film „Die Nibelungen” (1924)


 


inhalt UfA anmutung
Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
inhalt ufa asta
Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
inhalt ufa nibelungen
Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
 


Babelsberg, ein ehemaliges Fabrikgelände, wird seit 1912 für die Filmproduktion genutzt. Die Bioscop, eine kleine Berliner Filmfirma, kauft 1911 das große Areal, baut an das alte Fabrikgebäude ein neues Glasatelier an und produziert dort 1912 den ersten Film: Der Totentanz (RE: Urban Gad). Hauptdarstellerin ist der erste große europäische Filmstar Asta Nielsen. Durch ihr zurückhaltendes Spiel vor der Kamera erhebt die Nielsen das junge Medium Film zur seriösen Kunst. In Erdgeist (1923; RE: Leopold Jessner) zeigt sich die Dänin in ein raffiniertes Fransentuch gehüllt, das als Tischdecke auch ihre Berliner Wohnung zierte und heute in der Ausstellung zu sehen ist.

Während des Ersten Weltkriegs kommt die Babelsberger Produktion fast zum Erliegen. Als an der Westfront die ersten verheerenden Gasangriffe geführt werden, kann Paul Wegeners Film Der Golem (1915) einen künstlerischen Achtungserfolg erzielen. Paul Wegeners Filme sind Pioniertaten, die dem jungen Studio zu Ansehen verhelfen; vor allem mit märchenhaften Stoffen erwirbt er sich große Reputation. In den 30er Jahren zieht sich Wegener als Filmregisseur zurück und arbeitet ausschließlich als Darsteller.

In den frühen 20ern fusioniert die Bioscop aufgrund finanzieller Probleme zunächst mit der Decla (Deutsche Eclair) zur Decla-Bioscop, kurz darauf mit der 1917 gegründeten Ufa (Universum Film AG). Die Fusion bereichert Babelsberg um Ressourcen und Künstler, die der Produktionsstätte bald Weltruhm eintragen. Technische und künstlerische Neuerungen bringen die Welt zum Staunen – die „entfesselte Kamera” ist eine Babelsberger Innovation ersten Ranges. Bei den Aufnahmen für F. W. Murnaus Film Der letzte Mann (1924) wird die bislang feste Verbindung von Kamera und Stativ gelöst und das Aufnahmengerät auf verschiedenste Weise in Bewegung versetzt: auf einem Fahrrad, in einem abwärts sausenden Korb oder dem genialen Kameramann Karl Freund vor die Brust geschnallt. Der Erfindungsreichtum verblüfft – selbst Hollywood schickt seine besten Kameramänner als Hospitanten nach Babelsberg.
Eines der ältesten erhaltenen Exponate stammt aus einem Murnau-Film: die ägyptische Perücke des Darstellers Martin Wolfgang aus dem nicht mehr erhaltenen Film Satanas (1920).

Missmanagement führt die Ufa an den Rand des Ruins. Produktionszeiten von bis zu zwei Jahren für einen einzelnen Film und ein immer größerer Hang zum Eskapismus gipfeln in Fritz Langs Sciencefiction Metropolis (1927). Infolgedessen muss die Ufa einen Knebelvertrag mit amerikanischen Firmen schließen. Alfred Hugenberg, Inhaber eines rechtsgerichteten Pressekonzerns, kauft die Ufa 1927 aus dem Kontrakt mit den Amerikanern frei. Von nun an wird, neben massenwirksamer Unterhaltungsware wie bisher, verstärkt Reaktionäres produziert.

Vor allem mit Unterhaltungsfilmen hat die Ufa in den 30er und 40er Jahren Erfolg. Stars wie Hans Albers, Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinrich George oder Marika Rökk prägen den Ufa-Film. Zum großen Erfolg wird die Komödie Die Feuerzangenbowle (1944; RE: Helmut Weiss) mit Ufa-Star Heinz Rühmann als Primaner „Pfeiffer mit drei ‚F′”. Aus dem bis heute sehr populären Film ist eine der Schulbänke erhalten geblieben. Das einzig erhaltene Kostüm des Vorzeigestars Zarah Leander aus der Ufa-Zeit ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Es stammt aus Das Herz der Königin (1940; RE: Carl Fröhlich).

Beliebt sind bereits in den 20ern patriotische Historienfilme über den Preußenkönig Friedrich der Große. Die Hauptrolle wird in 14 Streifen von dem Schauspieler Otto Gebühr verkörpert. Seine Filmperücke aus Fridericus Rex (1922/24; RE: Arzen von Czérepy) ist in der Ausstellung zu finden.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wird vermehrt Propaganda produziert: Bei der Ufa entstehen antisemitische Filme wie Jud Süß (1940; RE: Veit Harlan), Kriegspropagandafilme wie Stukas (1941; RE: Karl Ritter) oder, gegen Ende des Krieges, sogenannte „Durchhaltefilme” wie Kolberg (1945; RE: Veit Harlan), für dessen Heeresaufnahmen auf Geheiß von Reichspropagandaminister Goebbels Soldaten gegen den Protest ihrer Generäle von der Front abgezogen und als Statisten eingesetzt werden.
Aus einem der letzten Filme der Ufa, Unter den Brücken (1945/1950; RE: Helmut Käutner), ist in der Ausstellung das Akkordeon von Darsteller Carl Raddatz zu betrachten. Der Film wird auf der Havel in der Nähe von Potsdam gedreht, als die Rote Armee bereits kurz vor Berlin steht. Der unpolitische, wunderschöne Liebesfilm passiert noch 1945 die Zensur, kommt aber erst 1950 in die Kinos. In einer winzigen Rolle wirkte Hildegard Knef mit, die im ersten deutschen Nachkriegsfilm, Die Mörder sind unter uns (1946; RE: Wolfgang Staudte), in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Zum Rundgang




1946 - 1953: DEFA


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inhalt freies Land
Szenenfoto aus „Freies Land” (1946)
inhalt figaros
Werkfoto aus „Figaros Hochzeit” (1949)
inhalt Beil von Wandsbek
Werkfoto aus „Das Beil von Wandsbek” (1950/51)
 


- Die Mörder sind unter uns - Freies Land - Ehe im Schatten - Wozzeck - Die Buntkarierten -
Figaros Hochzeit - Die blauen Schwerter - Der Kahn der fröhlichen Leute - Das Beil von Wandsbek - Frauenschicksale -


Im April 1945 besetzt die sowjetische Armee die Babelsberger Studios. Das Filmen wird eingestellt. Erst ein Jahr später wird eine deutsche Filmgesellschaft in Babelsberg wieder ihren Sitz haben: Im Auftrag der sowjetischen Militäradministration gründen kommunistische deutsche Filmemacher am 17. Mai 1946 die DEFA, die Deutsche Film AG, deren Ausrichtung antifaschistisch ist. Am 15. Oktober hat der erste DEFA-Film – der gleichzeitig der erste deutsche Nachkriegsfilm ist – Premiere: Die Mörder sind unter uns von Regisseur Wolfgang Staudte.

Einer der erfolgreichsten frühen DEFA-Filme ist Ehe im Schatten (1947; RE: Kurt Maetzig), der – damals ungewöhnlich – in allen vier Besatzungszonen vor einem Millionenpublikum gezeigt wird und auch international Aufmerksamkeit erfährt. Der Antifaschismus wird von Beginn an zu einem der wichtigsten Anliegen des DEFA-Films.
Regisseur Kurt Maetzig, einer der Mitbegründer der DEFA und als „Halbjude” im Dritten Reich selbst verfolgt, erzählt in stark von der Ufa-Tradition beeinflussten Bildern eine wahre Begebenheit: Joachim Gottschalk, ein populärer deutscher Ufa-Schauspieler, ist mit einer jüdischen Schauspielkollegin verheiratet, die im Dritten Reich bald Berufsverbot bekommt. Als die Deportation von Frau Gottschalk ins KZ droht, geht das Paar gemeinsam mit dem kleinen Sohn 1941 in den Freitod. In der Ausstellung finden Sie Rollen- und Privatfotos des Ehepaars, ein Zigarettenetui Gottschalks und Fotos der Familienwohnung kurz vor ihrer Auflösung 1941.
Pikanterweise sind an der Produktion des ersten deutschen Films, der sich mit der Judenverfolgung im Dritten Reich auseinandersetzt, Mitarbeiter beteiligt, die im Dritten Reich an Propaganda- oder antisemitischen Filmen mitgewirkt hatten. So hat Filmkomponist Wolfgang Zeller, dessen Filmpartitur in der Ausstellung zu sehen ist, auch die Musik für einen der bekanntesten antisemitischen Streifen des Dritten Reichs, für Jud Süß, geschrieben.

Die Geschichte vom kleinen Muck (RE: Wolfgang Staudte), zweiter Märchenfilm der DEFA und bis zum Ende der DDR der meistverkaufteste Film des DEFA-Außenhandels, wird 1953 gedreht. Die DEFA ist seitdem für ihre Märchenfilme berühmt. Exponate illustrieren die Sorgfalt und den liebevollen Aufwand, mit denen das Märchen Wilhelm Hauffs in Filmbilder verwandelt wurde: wunderschöne Kostüm- und Szenenbildentwürfe von Sibylle Gerstner, Walter Schulze-Mittendorf, Willi Eplinius und Erich Zander. Einige ehemalige Künstler der Ufa bringen ihr Können nach dem Krieg bei der DEFA ein. Die große, geschnitzte Uhr aus der Rahmenhandlung des Films ist in der Ausstellung zu sehen. In einer der Vitrinenschubladen finden Sie ein komplett aus Filmszenen- und Kostümbildentwürfen gebundenes Märchenbuch.

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1954 - 1966: DEFA


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Szenenfoto aus „Meine Frau macht Musik” (1958)


 


inhalt meine frau macht musik
Szenenfoto aus „Meine Frau macht Musik” (1958)
inhalt Ernst Th, I. Teil
Szenenfoto aus „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse” (1954)
inhalt kinnhaken
Szenenfoto aus „Der Kinnhaken” (1962)
 


- Carola Lamberti - Eine Berliner Romanze - Die Abenteuer des Till Ulenspiegel - Emilia Galotti -
Meine Frau macht Musik - Das Feuerzeug - Auf der Sonnenseite - Das zweite Gleis - Der Kinnhaken -
Der geteilte Himmel - Geliebte weiße Maus - Die Abenteuer des Werner Holt - Ernst Thälmann I/II -
Das Kaninchen bin ich -


Die Verknüpfung von Film und Politik symbolisiert ein Einschnitt in der Filmvitrine im Jahr 1953: Nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin 1953 kommt es zu Unruhen in vielen Ländern des Ostblocks. Der Koreakrieg 1950 - 53 belastet die Beziehungen zwischen den Großmächten USA und UdSSR: Die Fronten des Kalten Krieges verhärten sich. Auch die Arbeit in den Filmstudios der DEFA wird beeinflusst. In der Ausstellung illustrieren Dokumentaraufnahmen auf Großprojektionen und Exponate das Zeitgeschehen.

Mitte der 50er Jahre entsteht der größte Propagandafilm der DEFA, der Zweiteiler Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954) und Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse (1955), unter der Regie von Vorzeigeregisseur Kurt Maetzig. Die Filme, die Leben und Wirken des Hamburger Arbeiterführers, der im Dritten Reich von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, repräsentativ darstellen, sind Staatsprojekte. Alle Entwürfe kontrolliert und korrigiert die Staatspartei SED.
Die Ausstellung stellt das Autorenkollektiv, Willi Bredel, Michael Tschesno-Hell und Kurt Maetzig, das seit 1949 an dem Filmdrehbuch arbeitet, mit Porträts und Informationen vor. Mit immensem Aufwand wird gedreht. Selbst der Brand des Reichstags von 1933 wird nachgestellt: Fotos in der Vitrine zeigen die Herstellung des übermannsgroßen Reichstagsmodells und den nachgestellten Brand. Dazu sind Filmaufnahmen des Regieassistenten Günter Reisch, der später selbst DEFA-Regisseur wird, zu finden sowie Starpostkarten, in rotes Kunstleder gebundene Schmuckbände mit Szenenfotos und Filmprogramme im Vierfarbdruck – aufwändiges Werbematerial in einer eher ärmlichen Zeit. Auf Jahre wird das Thälmann-Bild in der DDR von diesen Filmen geprägt. Ihr Besuch ist für Schulklassen ebenso obligatorisch wie für Betriebsbrigaden. Die Hauptdarsteller Günter Simon und Karla Runkehl verdanken den Thälmann-Filmen anhaltende Popularität und noch Jahre später werden die beiden vom Kinopublikum zu den beliebtesten DEFA-Schauspielern gewählt. Karla Runkehls Familie hat Zeitungsausschnitte und Fanbriefe in einem Fotoalbum gesammelt.
Auch nachdem der neue Partei- und Staatschef der UdSSR, Nikita Chruschtschow, auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 den Personenkult um Diktator Stalin beendet, wird dieser Ideologiewechsel in der DDR nur sehr langsam akzeptiert. Erst Anfang der 60er Jahre wird jede Erinnerung an Stalin aus dem öffentlichen Leben getilgt. Auch aus den beiden Thälmann-Filmen werden 1961 sämtliche Szenen, in denen Stalin auftritt, herausgeschnitten. Das Schnittmaterial ist auf einem Monitor zu sehen.
Bei den beiden Thälmann-Filmen wird zum ersten Mal das Stereolichtton-Verfahren angewendet, ein Tonaufnahmeverfahren, das erst durch die Firma Dolby in den 70er Jahren bekannt wird. Da die Thälmann-Filme im großen Stil gezeigt werden sollen, man für Filme im Stereolichtton-Verfahren aber spezielle Aufnahme- und vor allem spezielle Abspielgeräte benötigt und deshalb viele Kinos hätte „nachrüsten” müssen, stellt die Studioleitung der DEFA die neue Manier zurück. Die Filme werden im üblichen Monolichtton gezeigt, die Stereolichtton-Kopie verschwindet im Archiv.

Ein anderer Film des Regisseurs Kurt Maetzig kontrastiert die Thälmann-Filme: Das Kaninchen bin ich. Die Verfilmung nach einem Roman, der sich mit Justizwillkür in der DDR beschäftigt, wird zwar 1965 fertiggestellt, aber erst 1990 aufgeführt: 1965 beschließt das 11. Plenum der Staatspartei SED eine restriktivere Kulturpolitik. Experimentelle und kritische Strömungen in Literatur, Bildender Kunst und Film sollen zugunsten des offiziellen Programms des „sozialistischen Realismus” zurückgedrängt werden.
Der bislang hoch geehrte Regisseur Kurt Maetzig wird öffentlich abgekanzelt, sein Film „Das Kaninchen bin ich” nicht zur Aufführung freigegeben. Daneben wird fast die gesamte Produktion der DEFA des Jahres 1965 verboten. Die Ausstellung zeigt ein Filmkostüm aus „Das Kaninchen bin ich” und die Buchvorlage „Maria Morzeck oder das Kaninchen bin ich”. Ein Album mit Szenen- und Werkfotos verschiedener DEFA-Produktionen des Jahres 1964/65 verzeichnet, mit roten Sperrvermerken markiert, die Verbotsfilme des 11. Plenums. Zu den Verbotsfilmen gehört auch Der verlorene Engel (1966; RE: Ralf Kirsten). Der Film thematisiert die Zerstörung der Ernst-Barlach-Plastik „Der schwebende Engel” aus dem Dom zu Güstrow durch die Nationalsozialisten.

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1967 - 1976: DEFA


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Szenenfoto aus „Anflug Alpha 1” (1971)


 


inhalt Ich war 19
Szenenfoto aus „Ich war 19” (1967/68)
inhalt spur des Falken
Szenenfoto aus „Spur des Falken” (1968)
inhalt Anflug
Szenenfoto aus „Anflug Alpha 1” (1971)
 


- Die gefrorenen Blitze - Ich war 19 - Heißer Sommer - Spur des Falken - Eolomea - Die Legende von Paul und Paula - Wolz - Jakob der Lügner - Lotte in Weimar - Goya - Zeit zu Leben - Anflug Alpha 1-

Während die DEFA an den Folgen des 11. Plenums laboriert, eskaliert in Südostasien ab Mitte der 60er Jahre der Vietnamkrieg. In der BRD verstärken sich Studentenunruhen, 1967 bildet sich eine Außerparlamentarische Opposition. In Prag wird mit der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Paktes 1968 ein wichtiger Reformversuch zunichte gemacht.
1963 erscheint „Das Geheimnis von Huntsville”, ein Dokumentarbericht über die Produktion von Hitlers „Wunderwaffe” V2 in Peenemünde. Nach der Buchvorlage, einem Bestseller, dreht die DEFA 1967 den monumentalen Zweiteiler Die gefrorenen Blitze (RE: János Veiczi) im Breitwandformat „Totalvision”. Mit so genannten „Vorsatzmodellen” wird die riesenhafte Peenemünder Anlage in Miniaturformat nachgebaut. Mehrere dieser Trickmodelle, hölzerne Waggons mit Schienen und eine Miniatur-V2, finden Sie in einer Ausstellungsvitrine, ebenso Originalrequisiten: die Mappe eines Geheimdienstberichtes, die Akte eines KZ-Häftlings und im Film verwendete Fotos mit Blechmarken. Daneben liegen historische Fotos – Recherchematerial zum Film.

Neben antifaschistischer Filmproduktion setzt die DEFA nach dem Verbotsplenum verstärkt auf Unterhaltung. Seit 1965 entstehen in der DDR kontinuierlich Indianerfilme, die jedes Jahr im Sommer anlaufen und Millionen von Kinogängern begeistern. Der jugoslawischen Darsteller Gojko Mitic, der in fast allen Filmen die Hauptrolle des indianischen Helden spielt, wird zum Publikumsliebling. In der Ausstellung ist er mit dem Film Spur des Falken (1968, RE: Gottfried Kolditz) vertreten; seine Indianerperücke können Sie aus nächster Nähe betrachten. In einer Vitrine hängen Pfeil und Bogen, eine Friedenspfeife und weitere Originalrequisiten sowie die Konstruktionszeichnung einer typisch nordamerikanischen Lokomotive mit Büffelfänger, die extra für den Film nachgebaut wurde. Im unteren Teil der Vitrine stehen Arbeitskoffer und Zubehör des Geräuschemachers Hugo Gries, der damit für den Film Pferdegetrappel und Kutschgeräusche produzierte.
Wie die Indianerfilme sollen ab Mitte der 60er Sciencefiction-Filme Zuschauer ins Kino locken: Eolomea (1972, RE: Hermann Zschoche) gewinnt für seine Trickaufnahmen den internationalen Technikpreis UNIATEC. Einige der originalen Raumschiffmodelle werden in der Ausstellung gezeigt, ebenso Konstruktionszeichnungen von Szenenbildner Werner Pieske und Fotos der Trickaufnahmen.

Ab 1966 werden nicht nur mehr Unterhaltungsfilme produziert, die DEFA verabschiedet sich vorerst auch von kritischen Gegenwartsfilmen. Regisseure suchen ihre Stoffe in der Geschichte oder in der Literatur. So entsteht 1975 nach dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker die Literaturverfilmung Jakob der Lügner. Der Film erzählt die Geschichte eines Juden im Warschauer Ghetto, der den Überlebenswillen seiner Mitgefangenen durch erfundene Nachrichten aus einem ebenfalls erfundenen Radio zu stärken versucht. Regie führt Frank Beyer, dessen Film Spur der Steine 1966 verboten worden war. „Jakob der Lügner” ist eine Co-Produktion der DEFA mit dem Fernsehen der DDR und gleichzeitig der erste und einzige DEFA-Film, der für den Oscar nominiert wird. Die Nominierungsurkunde ist in der Ausstellung zu sehen.
Die Besetzung der Hauptrolle des Jakob bleibt lange ungewiss. Zunächst ist Heinz Rühmann im Gespräch, den man aus politischen Gründen als westdeutschen Prominenten zugunsten des tschechischen Schauspielers Vlastimil Brodsky dann doch ablehnt. In der Ausstellung sind Brodskys Filmkostüm und ein Kostümentwurf für die Figur des Jakob von Kostümbildner Joachim Dittrich zu sehen. 1999 wird der Roman in Hollywood mit Robin Williams in der Hauptrolle neu verfilmt.

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1977 - 1994: DEFA


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Szenenfoto aus „Die Architekten” (1989/90)


 


inhalt architekten
Szenenfoto aus „Die Architekten” (1989/90)
inhalt bürgschaft
Szenenfoto aus „Bürgschaft für ein Jahr” (1980/81)
inhalt erscheinen pflicht
Casting-Foto für „Erscheinen Pflicht” (1983)
 


- Solo Sunny - Alle meine Mädchen - Die Verlobte - Bürgschaft für ein Jahr - Märkische Forschungen - Dein unbekannter Bruder - Das Luftschiff - Moritz in der Litfasssäule - Erscheinen Pflicht - Ete und Ali - Die Entfernung zwischen dir und mir und ihr - Die Architekten - Die Beunruhigung - Simplicius Simplicissimus -

1975 wird in Helsinki die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) unterzeichnet. Während sich auf internationaler Ebene Entspannung abzeichnet, geht die DDR-Regierung auf Konfrontationskurs zu ihren Kritikern: 1976 wird dem Liedermacher Wolf Biermann nach einem Konzert in Köln wegen „staatsfeindlicher Äußerungen” die Wiedereinreise verwehrt. Diese Ausbürgerung versetzt die gesamte DDR-Kulturszene in Aufruhr. Bald verlassen viele Künstler die DDR – mehr oder weniger freiwillig.

In den 70er Jahren entstehen wieder publikumswirksame Gegenwartsfilme. 1980 erregt Solo Sunny Aufsehen, ein Film von Konrad Wolf, einem der renommiertesten Regisseure der DEFA, Präsident der Akademie der Künste der DDR und Bruder von Geheimdienstchef Markus Wolf. Er erzählt von der rebellischen Sängerin Sunny und ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Leben – ein heikles Thema in der DDR der frühen 80er Jahre. Äußerlich markieren die extravagante Kleidung der Sunny – Lederjacke, Fuchspelz, Haarnetz sind in einer Ausstellungsvitrine zu sehen – und das englische Titellied den Ausbruchsversuch. In den folgenden Jahren zitieren andere DEFA-Filme Wolfs „Solo Sunny”, der als wichtiger Beitrag zu größerer Freiheit des Einzelnen empfunden wird. Als Hauptdarstellerin Renate Krößner in den Westen geht, wird „Solo Sunny” aus den Kinos zurückgezogen: die offizielle Sperranweisung für den Film ist in der Ausstellung zu sehen.

Zwei Jahre später kommt ein Film mit einem ebenfalls brisanten Thema in die Kinos: Märkische Forschungen (1982, RE: Roland Gräf) behandelt das Thema der Geschichtsklitterung. Ein Professor und ein Dorfschullehrer forschen zur Biografie eines revolutionären Dichters. Der Dorfschullehrer findet heraus, dass der einstige Revolutionär im Alter zur Reaktion überlief. Der Professor verhindert jedoch die Veröffentlichung der Wahrheit, weil sie seiner Karriere schaden würde. In der Ausstellung werden handschriftliche Notizen des Regisseurs zum Aufbau des Films gezeigt, Filmrequisiten und ein Filmpreis: Gräfs Film läuft 1982 auf dem Spielfilmfestival der DDR an. Aufgrund seiner Thematik ist es beschlossene Sache, dass er keinen Preis bekommen soll. „Märkische Forschungen” erweist sich jedoch als herausragend. Man zieht sich aus dem Dilemma, indem eigens für diesen Film ein Sonderpreis kreiert wird –„Der Findling”.

Bei der DEFA wird nach der Wende zunächst weiterproduziert wie bisher, die Filme werden von der Öffentlichkeit jedoch kaum noch zur Kenntnis genommen. Massenentlassungen prägen ab Mitte 1990 die Atmosphäre in den Studios. Das Unternehmen und sein Gelände werden 1992 an den französischen Mischkonzern CGE (Compagnie Général des Eaux, später Vivendi) verkauft. 1994 wird die DEFA aus dem Handelsregister gestrichen.

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1994 - heute: Studio Babelsberg


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Szenenfoto aus „Sonnenallee” (1998/99)


 


inhaltsbilder Polizistin
Werkfoto aus „Die Polizistin” (2000)
inhaltsbilder Sonnenallee
Szenenfoto aus „Sonnenallee” (1999)
inhalt bbg. heute
Blick in die Ausstellung – Studio-Babelsberg-Vitrine
 


Nach der endgültigen Auflösung der DEFA betreibt eine Firmengemeinschaft, die sich schnell zu einem Dienstleistungsunternehmen entwickelt, die Studios: Studio Babelsberg GmbH. 2004 verkauft Eigentümer Vivendi die Studios, die immer noch nicht profitabel arbeiten, an zwei private Investoren.

Nach der Jahrtausendwende kommen verstärkt internationale Produktionen nach Babelsberg: Duell – Enemy at the Gates (2001, RE: Jean-Jacques Annaud), ein Film über die Schlacht von Stalingrad mit Darstellern wie Jude Law, Bob Hoskins und Joseph Fiennes, wird die größte europäische Produktion der letzten Jahre. Ein Kostüm aus dem Film, eine sowjetische Uniform, und das Gewehr des Hauptdarstellers Jude Law sind neben einigen Szenen- und einem Werkfoto in der Ausstellung zu sehen.
Auch Taking Sides – Der Fall Furtwängler (2001, RE: István Szabó) über die Verstrickung des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler in den Nationalsozialismus bringt mit Harvey Keitel und Stellan Starsgard internationale Prominenz nach Babelsberg.
2002 dreht Starregisseur Roman Polanski in Babelsberg Der Pianist. Der Film über das Überleben des polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman während des Zweiten Weltkrieges wird mit der Goldenen Palme und zwei Oscars preisgekrönt.

Auch deutsche Produktionen aus Babelsberg machen sich einen Namen: Sonnenallee, eine Komödie von Leander Haußmann über Jugendliche in der DDR, wird 1999 ein großer Publikumserfolg. Requisiten aus dem Film sehen Sie in der Ausstellung. 2002 gewinnt Halbe Treppe, ein Film des jungen Potsdamer Regisseurs Andreas Dresen, auf der Berlinale den Silbernen Bären. Rosenstraße (2003, RE: Margarethe von Trotta) behandelt den Widerstand deutscher Frauen im Dritten Reich. Hauptdarstellerin Katja Riemann gewinnt in Venedig den Coppa Volpi, den Preis für die beste Darstellerin.

Zur „alltäglichen” Erfolgsgeschichte der Babelsberger Studios gehören auch Fernsehproduktionen: Seit 1995 begeistert die Serie Gute Zeiten, schlechte Zeiten deutsche Teenager. Ein beliebtes Programm für noch jüngere Zuschauer bietet seit 1998 die Schulserie Schloss Einstein. (Ab 2007 wird Schloss Einstein bei Askania Media GmbH in Erfurt gedreht.)
Der größte Arbeitgeber in Babelsberg ist der Regionalsender rbb (früher ORB), der zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk der BRD gehört. Zu den wichtigsten Leistungen des 1991 gegründeten Senders zählt die aktuelle Fernseh- und Rundfunkberichterstattung, wie z.B. von der Jahrhundertflut an der Oder 1997.

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