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Winfried Glatzeder und Angelica Domröse in „Die Legende von Paul und Paula” (1973); Foto: DEFA-Kroiss
Winfried Glatzeder und Angelica Domröse in „Die Legende von Paul und Paula” (1973); Foto: DEFA-Kroiss 

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Angelica Domröse

Fotos



 

Domröse - Verwirrung der Liebe
Angelica Domröse und Willi Schrade in „Verwirrung der Liebe” (1959); Foto: Neufeld
Domröse - Julia lebt
Angelica Domröse in „Julia lebt” (1963); Foto: Bergmann
Domröse Effi Briest
Angelica Domröse in „Effi Briest” (1969); Foto: Daßdorf

 


Diese und andere Fotos sind über das Archiv des Filmmuseums zu beziehen (T (0049/331) 56704-11 / E-Mail: collection@filmmuseum-potsdam.de).

Angelica Domröse
Angelica Domröse; Foto: Agentur Ross

Biographie



4.4.1941
Geboren in Berlin
Während der Schulzeit besucht Domröse einen dramatischen Zirkel im „Haus der jungen Talente” und wird Stenotypistin bei einer Exportfirma.
1958
Sie bewirbt sich an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg und wird abgelehnt. Regisseur Slatan Dudow entdeckt sie für die Rolle der Sigi in seinem Film Verwirrung der Liebe.
1959
Während des Studiums übernimmt sie weitere Rollen in DEFA-Produktionen.
1960
Domröse wird einem breiten Publikum in der Titelrolle des Fernsehfilms Papas neue Freundin (RE: Georg Leopold) bekannt.
1961
Nach Abschluss des Studiums Engagement am Berliner Ensemble
1966
Sie wird zur „Besten Schauspielerin des Jahres” gewählt. Domröse wechselt an die Ost-Berliner Volksbühne und wird dort Ensemblemitglied. Sie spielt vor allem klassische Rollen von Shakespeare bis Hacks.
1967 - 1969
Sie zeigt in einigen Fernsehfilmen die Vielfalt ihres künstlerischen Ausdrucks: als Gräfin in Wege übers Land (RE: Martin Eckermann), als Proletarierin in Krupp und Krause (RE: Horst E. Brandt) und vor allem in der Titelrolle der Verfilmung von Effi Briest (RE: Wolfgang Luderer).
1967
Sie übernimmt eine Rolle in dem tschechoslowakischen Film Ja, Spravedlnost (unter dem Titel Als Hitler den Krieg überlebte 1975 in der BRD aufgeführt) (RE: Zbynek Brynych), in dem sie als eine Art „Eva-Braun-Epigonin” auftritt.
In der ersten Hälfte der 70er Jahre wird sie dreimal zur „DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres” gewählt.
1973
Sie spielt die Rolle der Paula in Die Legende von Paul und Paula (RE: Heiner Carow). Der Film wird zu einem großen Publikumserfolg und ist nach langer Zeit eine der ersten DEFA-Produktionen, die auch in der Bundesrepublik aufgeführt werden.
1976
Sie protestiert, gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Hilmar Thate, gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann und erhält danach nur noch wenige Arbeitsmöglichkeiten.
1978/79
Domröse ist noch in zwei eindrucksvollen Rollen zu sehen: In der Dinah-Nelken-Verfilmung Fleur Lafontaine (RE: Horst Seemann) spielt sie die Titelrolle und gestaltet ein Frauenschicksal über mehrere Jahrzehnte. In Bis daß der Tod euch scheidet (RE: Heiner Carow) ist sie zum letzten Mal in einem DEFA-Film auf den Leinwänden der DDR-Kinos zu sehen.
1979
Sie gastiert am Thalia-Theater in Hamburg.
1980
Gemeinsam mit Hilmar Thate verlässt sie die DDR. Nach ihrer Arbeit am Hamburger Thalia-Theater schließen sich Domröse und Thate dem Ensemble des Berliner Schiller-Theaters an.
1982
Für den Film Die zweite Haut (RE: Frank Beyer) erhält sie den Darstellerpreis beim Festival International de Télévision de Monte Carlo. Sie dreht mit Egon Günther Hanna von acht bis acht.
1984
Sie nimmt vorerst Abschied vom Schiller-Theater und arbeitet frei an bedeutenden deutschsprachigen Bühnen sowie für Film und Fernsehen.
1985/86
Engagement am Staatstheater Stuttgart
1992
Noch einmal arbeitet sie mit dem Regisseur Heiner Carow. In Verfehlung (RE: Heiner Carow) spielt sie die 50-jährige Elisabeth Bosch, die aus einem Dorf in der ehemaligen DDR stammt und eine Beziehung zu einem Mann aus Hamburg hat.
1992
Debüt als Theaterregisseurin. Sie inszenierte bislang u.a. „Brut” von Matthias Zschokke, „Schreib mich in den Sand” von I. von Dullemen, „Maria Magdalena” von Hebbel und „Michael Kramer” von Gerhart Hauptmann.
1992
Sie wird Dozentin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch” in Berlin.
1994
Sie spielt die Kommissarin Vera Bilewski in der Fernseh-Krimireihe Polizeiruf 110.
2003
Film Tal der Ahnungslosen von Branwen Okpako
2003
Ihre Autobiographie „Ich fang mich selbst ein” erscheint.
2006
Am Potsdamer Hans-Otto-Theater spielt sie Mary Tyrone in „Eines langen Tages Reise in die Nacht” von Eugene O′Neill.
Nach ihrer ersten Ehe mit dem Schauspieler Jiri Vrstala, der als Clown Ferdinand in der DDR bekannt wurde, ist sie in zweiter Ehe mit Hilmar Thate (geb. 1931) verheiratet.
Angelica Domröse lebt in Berlin.



Zusammenstellung: P. Warnecke
 


Erinnerung

Angelica Domröse
Angelica Domröse in „Die Legende von Paul und Paula” (1973); Foto: Kroiss

Dornige Diva aus Berlin



„Angelica, ich finde Dich saustark, mach weiter so!”, schrieb ein Dieter begeistert in einem Fanbrief.(1) 20 Minuten stürmischen Applaus bekam Die Legende von Paula und Paula bei der Premiere am 29.4.1973 im Kino Kosmos in Berlin; Paula (Dömröse) allein gehörten 6 davon.(2) Eigentlich fand Regisseur Carow die Schauspielerin nach der Sichtung von Effi Briest zu aristokratisch, mit ihren dreißig Jahren außerdem zu alt für die Rolle. Die Abgelehnte griff zum Hörer und machte klar, sie werde die Paula spielen und niemand sonst. „Sie sagt, sie sei Paula. Wo sie es nicht sei, wolle sie es werden. So vital, so spontan, so lebenslustig.”(3) Das gelang ihr überzeugend, und sie musste mit den Folgen leben: Matrosen wollten ihr Torpedoschnellboot „Angelica Domröse” taufen, voyeuristische Anbeter besuchten mit Feldstechern Aufführungen von „Cäsar und Cleopatra” in der Berliner Volksbühne, um zu sehen, was Cleo unter dem hauchdünnen Tüll verbarg, usw., usw. ... Je dichter aber irgendwer Domröse zu Leibe rückte, um Privates auszuspähen, umso fester wusste sie sich zu verschließen. Sie konnte sich vor Journalisten derart in einen Monolog über den Schutz der Privatsphäre hineinsteigern, bis sich die Stimme überschlug und die Halsschlagader schwoll. Eine „Dornenrose” nannte sie die Westpresse. Das Etikett schadete der Schauspielerin nicht, denn sie war längst, was man jenseits der DDR einen Star nannte. Domröse bekannte irgendwann, sie habe gegen den Begriff nichts einzuwenden, schließlich schwinge in ihm das entscheidende Maß Anerkennung mit: „Sonst könnte ich auch auf dem Klo spielen.”(4) Die Schattenseiten des Star-Seins wollte sie natürlich trotzdem nicht tragen. Erst 2003 erfuhr das Publikum über sie soviel wie nie zuvor, aus ihrer Autobiographie.
Zu Anfang war sie zielstrebig und manchmal schüchtern. Bei der Aufnahmeprüfung an der Filmhochschule Babelsberg hatte sie der Kommission aus Scham den Rücken zugekehrt. Helene Weigel, bei der sie erfolgreich fürs Berliner Ensemble vorsprach, rief sie „Pupperl”.(5) Regisseur Dudow, der die Siebzehnjährige unter 1500 Mädchen auswählte, die sich auf eine Annonce meldeten – sie war Nr. 1106 – riet ihr für ihr Debüt im Film Verwirrung der Liebe, sie solle einfach bleiben, was sie damals im Leben war, „ein hübsches, einfaches, nettes und unerfahrenes Mädchen”.(6) Dudows Rat folgte das hübsche Mädchen später nicht mehr.
Mit der Paula war sie zur Repräsentantin gefühlvoller, lebenszugewandter, selbständiger Frauen im Osten geworden. Dass sie trotzdem 1980 in den Westen ging und es nie bereute, war ein Menetekel für ihre zahllosen Verehrer und den Staat. Dort – eine wichtige Nebensache – konnte sie endlich den kindlichen Traum vom schönen Auto verwirklichen, den sie mit vielen Ufa-Stars teilte. Politische Vereinnahmung geht der „Dornenrose” bis heute gegen den Strich: Harnisch schließen und Stacheln raus!


(1) Christoph Funke, Dieter Kranz: Angelica Domröse. Berlin 1976, S. 27
(2) Angelica Domröse: Ich fang mich selbst ein. Bergisch Gladbach 2003, S. 192
(3) Die Zeit, 29.3.1974
(4) Der Stern, 23.8.1973
(5) Wochenpost, 6.2.1965
(6) Filmspiegel, Heft 17/1961

Text aus dem Info-System der Ständigen Ausstellung „Babelsberg – Gesichter einer Filmstadt”
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