Zwischen 1950 und 1990 existierten im Land Brandenburg rund 120 Amateurfilmstudios und Einzelamateure. Vielfach fanden sich kleine Gemeinschaften zusammen, die trotz politischer Anleitung und Kontrolle eigene Sichten vor allem auf das nähere soziale Umfeld entwickelten. Die Filmbegeisterten schufen in ihrer Freizeit mehr als 1.000 Filme, nur wenige – wie das Frühwerk von Andreas Dresen – sind heute in der Öffentlichkeit präsent. In einem Forschungsprojekt mit dem Museumsverband Brandenburg werden seit 2010 diese verschollenen Filme recherchiert und erschlossen; die Ausstellung zeigt erste Ergebnisse.
Neben den Filmen selbst stehen ausgewählte Studios und Filmemacher im Mittelpunkt. Schmalfilmkameras und Projektoren machen mit den technischen Möglichkeiten der Freizeitfilmer bekannt. Während schriftliche Dokumente das Spannungsverhältnis der Filmamateure im Kontext der offiziellen Kulturpolitik belegen, regen die präsentierten Filmausschnitte zur Diskussion darüber an, inwieweit sie einen anderen Blick auf die DDR-Verhältnisse pflegen.
Projektkoordinatoren:
Dr. Ralf Forster
T 0331 567 04-16 / forster(at)filmmuseum-potsdam.de
Matthias Struch
T 0331 567 04-24 / m.struch(at)filmmuseum-potsdam.de
Dr. Iris Berndt
T 0331 23279-14 / iris.berndt(at)museumsverband-brandenburg.de
Forschungsprojekt mit dem Museumsverband Brandenburg
www.museumsverband-brandenburg.de/index.php?id=487
Programm zur Ausstellung
6.10.2011, 20.30 Uhr
Filme über Amateurfilm Filmvorführung, ca. 90'
22.11.2011,20.00Uhr
Technik des Glücks
R: G. Kolbe, C. Wright, D 2003, 68‘
8.12.2011, 20.00Uhr
Endzeit DDR. Entfremdung in den Arbeiten von Film & Foto Man Ray und Andreas Dresen.
Filmvorführung, ca. 45'
Anschließend Gespräch mit Fayd Jungnickel und Thomas Zickler
15.1.2012, 11.00 Uhr
Matinee Brandenburger Amateurfilmstudios vorgestellt: Geschichte, Filme, Überlieferung
„Wir brauchen keine Monroe“
Foyerausstellung im Filmmuseum über den Amateurfilm in Brandenburg von 1950 bis 1990
PNN, 6.10.2011, Heidi Jäger www.pnn.de/potsdam-kultur/583537

Bildunterschrift: Nische Zeltplatz: Andreas Dresen am Filmprojektor „Meoclub 16, 2.“ bei seiner „Drefa“-Sommertour 1986. F: Andreas Höfer (Filmmuseum Potsdam)
Um diesen Erinnerungsschatz zu heben, recherchiert das Filmmuseum gemeinsam mit dem Museumsverband Brandenburg in einem Forschungsprojekt seit einem Jahr diese vergessenen Filme. Die am heutigen Donnerstag eröffnende Ausstellung „Amateurfilm in Brandenburg 1950-1990. Arbeit an der Wirklichkeit“ im Foyer des Filmmuseums zeigt erste Ergebnisse. (...)
1912 – Asta Nielsen in Babelsberg
Foyerausstellung und Filme
14. Februar bis 3. Juni (Eröffnung am 13. Februar um 20 Uhr)
Für Publikumsliebling Asta Nielsen aus Dänemark sucht eine Filmfirma 1911 einen neuen Standort vor den Toren Berlins. Wenige Monate später, am 12.2.1912, beginnt bei der Bioscop in Nowawes nahe Neubabelsberg der Dreh des ersten Films zur neuen Nielsen-Serie. „Der Totentanz” steht am Beginn der erfolgreichen Karriere einer Film-Stadt. Zwei Kriege, zwei Republiken, zwei Diktaturen und etliche Jahrzehnte später feiert ein Studio seinen 100. Geburtstag, dessen erste Filme im „Glashaus“ entstanden, weil man Tageslicht zur Ausleuchtung brauchte.
Die Foyerausstellung zeigt aus einem bislang unveröffentlichten Album über 40 Standfotos, die für die Rekonstruktion des Filmfragments von „Der Totentanz“ unter Leitung Stefan Drößlers verwendet wurden. Das Filmmuseum Potsdam dankt ihm und Gerhard Ullmann vom Filmmuseum München herzlich für die Filmrestaurierung, die unkomplizierte Zusammenarbeit und für die Bereitstellung der Fotos.
Die Premiere des durch diese Stills ergänzten Filmfragments findet anlässlich der Berlinale am 12.2.2012, dem 100. Jahrestag des Drehbeginns des ersten Babelsberg-Filmes, statt und es läuft am folgenden Tag zur Eröffnung der Foyerausstellung im Museumskino.
FILMPROGRAMM
13.2., 20 Uhr
Der Totentanz R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Oskar Fuchs, Fritz Weidemann, D 1912, rekonstruierte Fassung, 36‘
Die Filmprimadonna R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Paul Otto, Fritz Weidemann, D 1913, rekonstruierte Fassung, 17‘
Am Klavier: Peter Gotthardt
Einführung: Stefan Drößler (Leiter des Filmmuseums München)
Ausstellungseröffnung mit Empfang im Foyer
Der Totentanz
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Oskar Fuchs, Fritz Weidemann, D 1912, rekonstruierte Fassung, 36‘
In heimeliger Kaminatmosphäre spielt Bella auf ihrer Laute. Verliebt lauscht ihr Mann den Klängen, als das Telefon klingelt und der Ingenieur zur Lösung eines Problems in die Fabrik gerufen wird. Ein kurzer Knall – und Bellas Mann wird verletzt davongetragen. Damit nimmt das tragische Verhängnis seinen Lauf: Bella verdient nun den Lebensunterhalt der Familie mit Gesangsauftritten im Varieté. Sie verliebt sich in ihren Komponisten und der sich in sie. Doch ihr eheliches Gelübde führt zum Tod ihrer Liebe.
In der Zeitschrift „Bild und Film“ echauffierte sich 1913 eine Dame über die skandalöse Darstellung – ein „Kinderverbot“ sei zu wenig für diesen Film. Vor allem die aufreizende Tanznummer des „Totentanzes“ zum Zwecke der Triebanimierung des Komponisten hatten es der Tugendwächterin angetan: „Sie tanzt eine Art Schlangentanz, einen Bauchtanz. Bewegungen wie die eines Panthers, darauf berechnet, die Sinnlichkeit aufzupeitschen; so tanzen die verkäuflichen Frauen in den orientalischen Städten … eine Frau, die tugendhaft bleiben will, die siegen will, weckt nicht erst alle sinnlichen Triebe des Mannes, um ihn nachher zu ermorden…“. Das mag richtig sein und ist doch schön anzuschauen!

Bildunterschrift: Fllmprimadonna; F: Deutsche Kinemathek
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Paul Otto, Fritz Weidemann, D 1913, rekonstruierte Fassung, 17‘
In „Die Filmprimadonna“ spielt Asta Nielsen einen Filmstar, der sich sehr um künstlerischen Einfluss im gesamten Filmprozess bemüht und schwer erkrankt in ihrer letzten Rolle vor der Kamera stirbt.
Über die künstlerische Freiheit der Arbeit an ihren frühen Filmen, äußerte Asta Nielsen gegenüber der „BZ am Mittag“ 1928: „Komödianten sah zum Beispiel so aus: „Astas Kind stirbt – Astas Hauptszene. Alles andere war meine Sache.“
Wie sehr sie den gesamten Herstellungsprozess auch als ihre ureigene Sache ansah, wird in dem Streifen „Die Filmprimadonna“ aufs Schönste belegt: Die Nielsen spielt einen Filmstar, der die Qualität seines Spiels bis ins Kopierwerk hinein verfolgt, Licht, Bildlaufzeit, Drehbuch kritisch beäugt und beurteilt. Das ist anstrengend und kaum durchzuhalten – die Filmprimadonna, privat verstrickt in der fatalen Liebe zu einem untreuen Falschspieler, dabei begehrt von einem jungen Autor, erkrankt schwer. In einer letzten Kraftanstrengung übernimmt sie für den Filmschriftsteller eine von ihm erdachte Rolle und – der letzte Tanz des Pierrots ist auch der letzte der großen Diva: Schluss, Klappe, aus – Film im Film. Im realen Leben hatte sich Asta Nielsen schon vor Beginn der Dreharbeiten zu „Die Filmprimadonna“ von Babelsberg getrennt und drehte in Berlin in den neu errichteten Ateliers in Tempelhof.




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