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Entwurf von Hans Poppe zu „Blauvogel“ (R: Ulrich Weiß, 1979)
Entwurf von Hans Poppe zu „Blauvogel“ (R: Ulrich Weiß, 1979) 

» Szenenbilder

Pressereaktionen zu "Künstlergalerie: Hans Poppe"

Meister der Stille


Berliner Zeitung, 04.07.2002, Ralf Schenk

(…) Heute Abend eröffnet das Filmmuseum Potsdam eine Foyerausstellung, die dem Szenenbildner Hans Poppe (1928-99) gewidmet ist. Sein Nachlass, der vom Museum bewahrt wird, ermöglichte eine reiche Auswahl an Skizzen und Entwürfen: Poppe stattete unter anderem große historische Arbeiten wie Beethoven - Tage aus einem Leben (1976), Die Schauspielerin (1988) oder Treffen in Travers (1989) aus. Besonders aber war er mit dem Regisseur Rainer Simon verbunden, dessen Jadup und Boel (1981) oder Das Luftschiff (1982) dank Poppes Kunst zu doppelbödigen, opulenten Spektakeln gerieten.
Zur Eröffnung der Ausstellung hat das Filmmuseum den Verlorenen Engel (Regie: Ralf Kirsten) ausgewählt, einen Spielfilm über einen Tag im Leben des Bildhauers Ernst Barlach. Weil diese im Dritten Reich angesiedelte Parabel auf das Verhältnis von Kunst und Macht der DDR-Obrigkeit zu nah auf den Leib rückte, wurde sie 1966 verboten. Eine gekürzte Fassung, aus der die Lieder Wolf Biermanns getilgt waren, kam fünf Jahre später ins Kino. Versteckt, mit ganz wenigen Kopien, so dass der Film bis heute als Entdeckung gelten darf.


Vorbeschriebener Sommer


Nachlass des Szenenbildners Hans Poppe im Filmmuseum
Potsdamer Neueste Nachrichten, 08.07.2002, Marion Hartig

Der Szenenbildner Hans Poppe hat die im Drehbuch beschriebene Situation genau vor Augen: Ein Mann mit Hut lehnt an einem Baum. Neben ihm steht breitbeinig ein zweiter. Beide sind von hinten zu sehen. Ihren Blick haben sie auf ein schwarzes Auto gerichtet, dass am Hintereingang einer Kirche hält. Mit schwarzer Tusche hat Hans Poppe die geplante Szene für den Film Der verlorene Engel. Ein Tag im Leben des Bildhauers und Grafikers Ernst Barlach auf Papier gebannt, als Entwurf für die Filmarbeiten, als optisches Drehbuch. Und schon aus seiner Vorlage für die laufenden Bilder ist die Spannung zwischen den Beobachtern und den im Wagen Sitzenden zu spüren.
Mitte der sechziger Jahre hat Hans Poppe an den Bildern des Barlach-Künstlerporträts von Regisseur Ralf Kirsten gearbeitet, das, 1966 konfisziert, in gekürzter Fassung vier Jahre später über die Leinwände der DDR-Kinos lief. In der vergangenen Woche stand der Film auf dem Programm des Filmmuseums, und zwar im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Szenenbildner Hans Poppe", einer Präsentation ausgewählter Fundstücke aus dem Nachlass des Filmemachers, der seit 1999, dem Todesjahr Poppes, im Besitz des Hauses ist. Bei rund 70 Spiel- und Fernsehfilmen hat er in mehr als 30 Berufsjahren mitgewirkt, erzählt die Filmografie. Er gestaltete Bilderwelten für Kinderfilme, Gegenwartsgeschichten und historische Stoffe. Er zeichnete Einstellungsskizzen für die Kamera und Grundrisse von Räumen.
Die Schau zeigt Bildentwürfe aus Der verlorene Engel und die Nachbildung einer Barlach-Statue. Daneben zu sehen sind dokumentierende Fotografien und das optische Drehbuch, ein großformatiges etliche Seiten dickes Werk, in dem die geplanten Filmbilder bis ins Detail beschrieben werden: „22. Bild: Tag, Außen, Spielrequisiten: Windmaschine, 232 bis 235 Totale nah, im folgenden Aufnahmen in der Natur.“ In einer Spalte werden Möglichkeiten aufgezählt, das Flattern von Blättern im Wind akustisch nachzustellen.
In einer Vitrine liegen Geodreiecke aus gelbem Plastik, Messwerkzeuge für die Berechnung von Bildausschnitten. Mit ihrer Hilfe habe man berechnet, wie weit es notwendig ist, den Raum zu dekorieren, beschreibt ein Informationsblatt. Darunter Fotografien, die den Szenenbildner zeigen. Mit wachen Augen, dunklem Vollbart und fülligem Haar sitzt er hinter einem Arbeitstisch oder steht mit der Kamera über der Schulter an einem Drehort.
Begonnen hatte seine Laufbahn als Architekt im Team von Szenenbildner Erich Zander. Für ihn fertigte er Bauskizzen an. Parallel dazu begann Hans Poppe Bühnenbilder für den Deutschen Fernsehfunk zu gestalten. Sein Debüt als Defa-Szenenbildner hatte er 1956 mit dem Film Alter Kahn und junge Liebe.
Die Ausstellungsrunde führt zu filmischen Highlights des Szenografen. Eine Bleistiftskizze zu Beschreibung eines Sommers zeigt die Seitenperspektive auf die Gesichter eines sich näher kommenden Paares. Das fotografische Pendant in fast identischer Körpersprache klebt darüber: Manfred Krug und Christel Bodenstein kurz vor einem Kuss. In einer Skizze stellt der Szenenbildner die junge Frau vor einer Barackenreihe dar. Fast deckungsgleich dazu die Fotos der gedrehten Szene.
Die Bilder Poppes sprechen für sich. Beinahe sind sie zu schade, nur Mittel zum Zweck zu sein. Denn in gewisser Weise sind die Geschichten erzählenden Darstellungen eigenständige Kunstwerke.
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