Film(t)räume
Der Szenograph Alfred Hirschmeier
17. September 1999 – 21. November 1999
Hunderte Collagen, Skizzen, Aquarelle, optische Drehbücher, Arrangementskizzen, Bau- und Detailzeichnungen gehören zur Sammlung Alfred Hirschmeier (1931-1996). Der Filmszenograph war einer der produktivsten Künstler der DEFA und zuletzt Chefarchitekt im Studio Babelsberg. Er begriff sich als Mittler zwischen Regisseur, Kameramann und den Fachabteilungen seines Babelsberger Filmbetriebes. In mehr als vierzig Berufsjahren stattete er bei der DEFA ca. 70 Filme aus und verlieh u. a. wichtigen Filmen der prägenden DEFA-Regisseure Kurt Maetzig, Frank Beyer, Konrad Wolf, Lothar Warneke und Roland Gräf durch seine Handschrift besonderes künstlerisches Gewicht. In zwölf Kabinetten wurden auf fast 500 Quadratmetern inszenierter Ausstellungsfläche Etappen der Entstehungsgeschichte je eines wichtigen Films aus Hirschmeiers Oeuvre gezeigt und dabei Werkstätten und wichtige Fachabteilungen wie Kostüm- und Requisitenfundus vorgestellt und gewürdigt.
Im Zentrum des wie ein Zeichensaal angelegten Raumes waren Blätter zu Originalschauplätzen (Brücken, Wälder, Landschaften, Treppen, Küchen, Gebäude) zu sehen, die Hirschmeier durch Veränderungen „passend“ gemacht hatte. Im Zentrum der Ausstellung stand der Nachbau des legendären Hirschmeierschen Arbeitsdomizils im Babelsberger Spielfilmstudio, das sogenannte „Schwalbennest“. In dieser „magischen Küche“ wurden die Ideen zu zahlreichen DEFA-Filmen geboren, stritten Regisseure, Kameraleute, Mitarbeiter der verschiedensten Gewerke um das künstlerische Optimum für den jeweiligen Film. Gezeigt wurden auch zeichnerische Arbeiten aus Hirschmeiers Anfangsjahren.
Als Alfred Hirschmeier 1948 bei der DEFA als Malervolontär begann, begegnete er den Meistern deutscher Film-Architektur: Otto Hunte, Hermann Warm, Otto Erdmann, Emil Hasler, Erich Zander, Willy Schiller. Der Volontär tauchte in die Welt der Imagination ein. Sein Vorbild und Filmvater Willy Schiller, der für Richard Oswald, Werner Hochbaum, Reinhold Schünzel und andere namhafte Regisseure ca. 60 Filme ausgestattet hatte, begleitete und prägte ihn und bestimmte später sein gutes Verhältnis zum Nachwuchs, u. a. zu Dresens Szenenbildnerin Susanne Hopf.
Film war für Hirschmeier immer Bild-Kunst. Adäquate Spielräume für die unterschiedlichsten Filmfiguren zu suchen, zu planen und zu bauen sah er als seine Aufgabe an. Der DEFA-Mitbegründer und Regisseur Kurt Maetzig, für den der damals gerade 25-jährige 1956 die Bauten zu „Schlösser und Katen“ entworfen hatte, beschrieb dessen gestalterische Fähigkeiten so: „Man sieht sofort die eigene Handschrift, das, was ich mit Worten schwer beschreiben kann – das Hirschmeiersche, das Durchsichtige, das Klare, gedanklich Feine und Delikate.“
Ein Komplex der Ausstellung beschäftigte sich mit einem Film, der niemals gedreht wurde: dem Antikriegsepos „Simplicius Simplicissimus“. Schon in den 1960er Jahren hatten der Autor Franz Fühmann und der Regisseur Heiner Carow an einem Szenarium gearbeitet, doch das Projekt wurde gestoppt. In den 1980er Jahren begann Carow erneut und gewann Hirschmeier für die szenographische Ausstattung. Doch wieder kam das Aus. Geblieben sind wunderbare Skizzen, Aquarelle, Collagen und Modelle in denen sich der ganze Reichtum seiner künstlerischen Ausdrucksmittel spiegelt.
Kuratorin: Ingrid Poss, Renate Schmal (Filmmuseum Potsdam)
Pressereaktionen zu "Film(t)räume" bzw. unter www.filmmuseum-potsdam.de/html/de/407-4263.htm




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