Sie erschaffen nicht nur ungesehene Welten
„Szenenbild und Kostüme in der DEFA“ im Potsdamer Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, 26.04.1991, Hannes John
„Szenenbild und Kostüme in der DEFA“ heißt das jüngste Ausstellungsangebot im Potsdamer Filmmuseum. Die Motivation des Museumsteams weitere DEFA-Ausstellungen gerade jetzt zu präsentieren, ist nur allzu verständlich, wird doch mit dem Wort DEFA (nicht nur von ehemaligen Mitarbeitern) gegenwärtig so ziemlich alles assoziiert, was zwischen Wehmut. Nostalgie und Rachegelüsten liegt, konnte man der Eröffnungsrede entnehmen. Seit 80 Jahren wird in Babelsberg gefilmt, wurden Szenenbilder und Kostüme für so manchen Filmklassiker entworfen. An Titel wie Golem, Metropolis und auch Das kalte Herz erinnert sich der Filmfreund, dem auch Regisseure und Schauspieler dazu einfallen. Doch auch, wenn man im Vor- oder Abspann die Namen derer las, die Szenenbild und Kostüme entwarfen, man hat sie schnell vergessen.
Dabei bestimmen gerade sie den Stil eines Films mit, tragen zur Formung der Figuren bei, erschaffen ungesehene Welten, entdecken Drehorte und sorgen dafür, dass der geschriebene Filmentwurf materielle Gestalt annimmt. Es gibt zuweilen hervorragende Kostüme in schlechten Filmen, aber auch Szenenbilder ohne Wirkung, weil der Regisseur nicht damit umzugehen verstand. Es gibt aber auch den Erfolg, wenn alles stimmt. Lorbeeren für das ganze Filmteam.
Nun entlässt die DEFA die meisten ihrer Filmarbeiter. Auch 19 Szenographen und 11 Kostümbildner gehen in die Arbeitslosigkeit, haben den Ort verloren, der ihre künstlerische Heimat war. Das Filmmuseum hat sich an sie gewandt, Entwürfe, Modelle, Kostüme, die ihnen am meisten am Herzen liegen für diese Schau zur Verfügung zu stellen. Paul Lehmann, selbst Szenenbildner und Mitaussteller, hat mit ordnender und gestalterischer Hand die Einzelstücke zu einer sehenswerten Exposition vereint, resignierte aber bei der Eröffnung „Ich bin erbost, dass viele jetzt beschäftigungslose Könner ihres Fachs mit 20-30jähriger Berufserfahrung, die wirklich etwas in die europäisch Filmkunst einbringen könnten, sinnlos, nutzlos herum sitzen müssen.“
Die Ausstellung kann auf diese handwerklichen und künstlerischen Potenzen der Filmstadt bis zum Ende der Saison nur in Potsdam aufmerksam machen. Museumsdirektorin Bärbel Dalichow versprach aber, die Schau danach auch ins Ausland zu verkaufen. „Weil wir glauben, dass man sich auch anderswo jetzt vor Augen halten sollte, dass es nicht nur wichtig ist DEFA-Geschichte zu memorieren, sondern dass diese Szenen- und Kostümbildner quicklebendig sind, voller Tatendrang und wie man an den Exponaten sieht: ideenreich und damit zukunftsträchtig.“



